Die hier auf meinem Blog noch recht junge Kategorie “Interviews” möchte ich weiter fortführen, diesmal mit dem Mediengestalter Johannes Heuckeroth.
Hallo Johannes. Herzlich willkommen auf meinen Blog, ich freue mich auf das Interview mit Dir. Aufmerksam geworden bin ich auf Dich Anfang 2008 auf flickr mit einem weitwinkligen Bild aus dem Lankreis Fürth bei Nürnberg. Damals auf Locationsuche für ein Projekt fiel mir dieses eine Bild von Dir auf. Doch erstmal erzähl doch ein paar Takte zu Dir.
Hallo Manuel! Ich arbeite als Designer fest angestellt in einer Agentur und beschäftige mich mit dem Konzipieren und Gestalten von allen Arten der Kommunikation. Privat habe ich mich in meiner fotografischen Tätigkeit ganz der Suche nach dem visuell Reizvollen verschrieben. Hin und wieder gibt es Überschneidungen und ich kann beide Bereich verbinden. Zum Beispiel mit meiner Bachelorarbeit “Dreaming of Dubai” mit der ich im vergangenen Sommer mein Designstudium in Nürnberg abgeschlossen habe.
Aufgrund Deines Berufes als Mediengestalter: war es unumgänglich für Dich, irgendwann beim Thema Fotografie zu landen? Oder lief dein Weg zur Fotografie gänzlich anders ab?
Schwierig zu sagen – ich habe mich schon vor meiner Berufswahl mit dem Medium Fotografie beschäftigt, die intensive Bindung kam allerdings tatsächlich erst während meiner damaligen Tätigkeit als Mediengestalter. Der ursprüngliche Impuls bestand einfach darin, dass ich Dinge dokumentieren wollte die um mich herum passierten. Sicher hatten später dann auch meine Tätigkeiten im Beruf damit zu tun, dass ich merkte, dass die Fotografie neben der reinen Dokumentation noch viel mehr mögliche Funktionen hat und welche Kraft man mit ihr entfesseln kann.
Schaut ein Betrachter Dein heutiges Portfolio an, findet er hauptsächlich Architekturfotos. Dies war jedoch nicht immer so, bis Anfang 2008 findet sich ein bunter Mix an Themen in Deinen Fotos. Wie kamst Du dazu, Dich auf die Architektur einzuschießen?
Am Anfang probiert man viel aus und ich habe mich erstmal auf das gestürzt was mich direkt umgeben hat: die örtliche Landschaft und alles was damit verbunden ist. Irgendwann hatte ich dann (zumindest nach meiner damaligen Sichtweise) alles fotografiert was visuell interessant war. Generell bin ich immer auf der Suche nach dem Ästhetischen, dem Visuell beeindruckenden, dem Spektakulären. Da die fränkische Landschaft da nicht so viel hergibt, war es vermutlich der nächste logische Schritt sich mal die Städte und deren Bauwerke anzusehen. Im Laufe der Zeit habe ich dann gemerkt, dass ein Gebäude ein sehr dankbares Motiv ist. Es steht einfach da und wartet darauf fotografiert zu werden. Perfekt für meine Arbeitsweise. Ich will mich nicht absprechen, nichts organisieren, ich will einfach zu dem Zeitpunkt denn ich für richtig halte ein Foto machen.
Viele Deiner Bilder von Gebäuden und Szenerien wirken trotz der vielen Details sehr minimalistisch komponiert. Wie findest Du Deine Objekte? Und wie lange brauchst Du, um das Endbild im Kasten zu haben?
Meine Objekte finde ich in der Regel über das Internet und versuche im Vorfeld möglichst viele Umstände zu recherchieren um zu erschließen was nötig ist um das jeweilige Objekt möglichst perfekt zu fotografieren. Zeitlich lässt sich das schwer beschreiben, meistens geben die Begleitumstände die Zeit vor. Für die meisten meiner Motive reise ich extra an und habe dann nur ein sehr begrenztes Zeitbudget, in dem ich dann versuche möglichst viel herauszuholen. Wenn ich mich einem Objekt oder einem Standort längere Zeit widme muss dieser entweder verdammt gut sein damit sich der Aufwand lohnt oder er liegt in der näheren Umgebung.
Für Deine Fotos, speziell draußen, spielt das Wetter eine wichtige Rolle. Wie beherrscht Du diese Unwägbarkeit?
Ich lasse mich auf das ein was kommt. Auch hier spielen die Begleitumstände und der Fakt, dass ich meistens reisen muss um die Objekte meiner Begierde zu fotografieren eine entscheidende Rolle. Wenn es regnet, regnet es eben. Entweder man lässt es bleiben oder man versucht das rauszuholen was geht. Mehr Spielraum bleibt mir da meistens nicht. Manchmal stellt sich z.B. Regenwetter im Nachhinein als perfekt für die Wirkung des Bildes heraus, obwohl man damals beim Fotografieren total frustriert war.
Du bewegst Dich viel auf öffentlichen Plätzen. Wie reagieren die Menschen um Dich herum, die Passanten, Eigentümer und eventuelles Sicherheitspersonal?
Ich versuche Menschen möglichst aus dem Weg zu gehen, was sich aber auf Grund der Öffentlichkeit nicht immer vermeiden lässt. Falls es zu Begegnungen kommt, passiert da in der Regel nichts Spannendes. Wenn ich Abends regungslos minutenlang neben meiner Kamera stehe und auf die blaue Stunde warte erntet man natürlich viele fragende Blicke. Wenn mich jemand direkt anspricht sind das meistens Personen mit sehr interessanten Ansichten, vor 4 Wochen war ich Frankfurt und fotografierte gerade den Neubau der EZB als mich ein Passant ansprach und mich auf einen möglichen Zusammenhang zwischen der Architektur des Gebäudes und der Schieflage des Euros hinwies ..
Deine Bilder wirken sehr surreal. Hand auf Herz: wie viel Nachbearbeitung steckt durchschnittlich in einem Bild? Was magst du lieber: die Nachbearbeitung oder das Fotografieren vor Ort.
Die Nachbearbeitung ist auf jeden Fall ein absolut entscheidender Teil meiner Arbeitsweise und der Wirkung meiner Fotos. Zeitlich kann das stark variieren, liegt im Normalfall aber im Bereich mehrerer Stunden pro Bild. Es überwiegt also der Aufwand in der Nachbearbeitung. Spaß macht mir grundsätzlich beides, auch weil es für mich untrennbar zusammen gehört. Allerdings erreiche ich in der Nachbearbeitung auf Grund des hohen Zeitaufwands öfters einen gewissen Frustfaktor als beim Fotografieren an sich.
Wie kommst Du zu der sehr prägenden Farbgebung vieler Deiner Bilder, das leicht kühle, bläuliche und das eher sepia-/sandfarbene?
Das ergibt sich zu einem Teil aus den natürlichen Gegebenheiten meiner Motive, die ich in der Nachbearbeitung verstärke. Also zum Beispiel ein blauer Himmel, oder die sandfarbene Landschaft Dubais. Zudem ist es einfach eine persönliche Präferenz und Mittel um einen durchgängigen Stil zu erreichen.
Ein paar praktische Tipps für den Laien, wenn er sein eigenes Haus fotografieren möchte?
Da kommt es natürlich erstmal drauf an: Wozu will er sein Haus fotografieren? Um es zu verkaufen? Um damit anzugeben? Um einen gewissen Zustand zu dokumentieren? Je nachdem könnte es völlig unterschiedliche Kriterien zur Vorgehensweise geben.
Im Jahr 2012 fand ich Deine Bilder in diversen Abdrucken und Wettbewerben. Du hast sogar einige Preise gewonnen. Bestätigt Dich das in Deiner Arbeit? Kam das von selbst oder musstet Du die Leute darauf “anstupsen”?
Zu den meisten Wettbewerben muss man seine Arbeiten einreichen, das kommt also nicht von selbst. Falls man Erfolg hat, bestätigt das einen in gewisser Weise natürlich etwas und freut einen. In erster Linie sind Wettbewerbe für mich aber Werkzeuge um mehr Aufmerksamkeit für meine Arbeiten zu erzielen oder mit möglichen Gewinnen verbundene Mittel zu bekommen und diese für meine fotografische Tätigkeit zu nutzen.
Ist und bleibt Deine Fotografie für Dich Hobby oder ist es mittlerweile mehr als nur ein Zeitvertreib?
Rein vom Stellenwert in meinem Leben ist es auf jeden Fall viel mehr als ein Zeitvertreib. Allerdings verdiene ich nicht meinen Lebensunterhalt damit und im Vergleich zu meiner Tätigkeit als Designer nimmt die Fotografie einen wesentlich kleineren Teil meiner Lebenszeit ein.
Zum Abschluss noch ein paar knappe Fragen mit eventuell ebenso knappen Antworten: Stativ oder Freihand?
Solange auf Grund der Lichtsituation kein Stativ nötig ist, benutze ich auch kein Stativ.
Aufnahmen nachts oder am Tage?
Beides!
Ist ein Beanbag ein ernsthaftes Werkzeug für einen Architekturfotografen?
Das kann ich nur für mich beantworten: ich habe eines und benutze es nie.
Ein einzelnes Weitwinkelbild oder Stitchen?
Stitchen birgt sehr viele Möglichkeiten in sich die ich oft und gerne nutze.
Herzlichen Dank für Deine Zeit und Mühe, mir meine Fragen zu beantworten.
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