Die Bretter, die die Welt bedeuten

Eigentlich wollten meine Frau und ich am Samstag einen schönen Abend im Theater verbringen. Karten hatten wir über das Internet bestellt, das Staatstheater Nürnberg ist klimatisiert und wir hatten gute Plätze reserviert.

Leider machte uns das gezeigte Stück einen Strich durch die Rechnung. Aufgeführt wurde “Alte Meister” vom österreichischer Schriftsteller Thomas Bernhard. Dieser schreibt eine Geschichte von zwei alten Herren, die sich tagein und tagaus im Kunsthistorischen Museum Wien im Bordone-Saal. Dort starrt der eine das Bildnis des „Weißbärtigen Mannes“ von Tintoretto an, der andere hält Aufsicht über den wenig besuchten Saal.

Laut der Beschreibung des Staatstheaters sollte das Stück ein “…sprachgewaltiger Monolog..” sein “…der von grotesker Komik und virtuosem Sprachwitz ebenso wie von Bitterkeit und Hass geprägt ist.” Leider ist von der Komik und dem Sprachwitz fast nichts zu erkennen. Die nicht vorhandene Handlung schleppt sich dahin, der Zuschauer wartet, darauf, dass etwas passiert und muss sich in dieser Zeit das Geschimpfe über Bildung, Kunst, Lehrern und allen möglichen anderen Themen anhören. Die sich einschleichende Langeweile wird durch das vom Staatstheater gewohnte minimalistische Bühnenbild verstärkt.

Der Regisseur versucht die langen Monologe interessanter wirken zu lassen, indem er die zwei Protagonisten von vier verschiedenen Schauspielern spielen lässt. Somit verquicken sich jedoch die Inhalte der Monologe immer mehr, eine klare Linie ist nicht zu erkennen.

Meine Frau hat dann die Vorstellung nach gut 30 Minuten verlassen, ich bin ihr dann in der Pause gefolgt. Denn wenn es ein Stück nicht schafft, mich bis zur Pause zu fesseln oder zu interessieren, kann es nach der Pause nicht viel besser werden. Was wir nun inständig hoffen ist, dass das nächste Stück auf unserem persönlichen Terminkalender, “Shakespeares sämtliche Werke – leicht gekürzt”, besser ist.

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