Über chaotische Zauberer und neugierige Touristen

Bereits vor einiger Zeit wünschte sich eine Studienkollegin aus der VWA einen Roman von Terry Pratchett aus dem “Scheibenwelt”-Kosmos. Erst mal wusste ich nichts mit dem Autor und dem Titel anzufangen.

Eine kurze Internetsuche später war ich um einiges schlauer: Die Scheibenwelt ist eine frei erfundene Welt, sie ist, wie der Name schon sagt, eine Scheibe. Sie wird von vier Elefanten getragen, die wiederum auf dem Rücken von Groß-A’Tuin, einer Schildkröte stehen. So gleitet die Scheibenwelt durch das Universum. Terry Pratchett beschreibt seit seinem ersten Buch im Jahre 1983 Geschichten aus dieser wundersamen Welt, in denen es nur von Magie und seltsamen Lebewesen wimmelt. Ich muss mir eingestehen, dass ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nie von einem der 31 (!) Scheibenweltromanen gehört hatte, obwohl ich früher viele Fantasy-Romane gelesen hatte.

Also erhielt unsere Studienkollegin das gewünschte Buch, ich kümmerte mich um die Besorgung. Als Einstieg in die Scheibenwelt gibt es zwei Ansätze: Der erste geht nach dem Erscheinungsdatum der Bücher vor. Hiernach sollte man mit dem ältesten Buch anfangen und sich bis in die Gegenwart vorarbeiten. Die andere Variante geht nach der Methodik vor, mit den einsteigerfreundlichsten Titeln anzufangen: Hierzu zählen unter anderem “Gevatter Tod”, “Das Licht der Phantasie” und “Das Erbe des Zauberers”. Nachdem es die letzteren zwei Bände in einem gibt, suchte ich dieses Buch aus. Doch das Gemeine war, dass ich dadurch auch ein paar Seiten anlesen konnte.

Ich war auf Anhieben von den ersten paar Seiten so begeistert, dass ich mir das Buch schenken ließ. Von der Schreibweise erinnert es an Bücher wie “Per Anhalter durch die Galaxis”, oder “Die 13 1/2 Leben des Käptn Blaubär”. Während des Lesens muss man ständig über die abstrusen Situationsbeschreibungen und dem Wortwitz grinsen.

Auch der Held des ersten Buches, der Zauberer Rincewind, ist eher ein Anti-Held: Furchtsam, tollpatschig und eigentlich kann er überhaupt nicht richtig zaubern. So ist es dann auch kein Wunder, dass er von einer misslichen Lage in die nächste fällt, dabei immer begleitet vom ersten Tourist der Scheibenwelt, Zweiblum. Dieser bringt die seine Umgebung durch seine beharrliche Neugierigkeit ganz schon durcheinander.

Das zweite Buch beschäftigt sich nicht mit Rincewind und Zweiblum: Der sterbende Zauberer Drum Billet möchte vor seinem Tod noch seine Kräfte an einen Nachfolger weitergeben und sucht dazu das winzige Dorf Bad Ass in den Spitzhornbergen auf. Dort glaubt er, wird genau zur richtigen Zeit ein achter Sohn eines achten Sohnes und damit ein besonders magiebegabtes Kind geboren. Doch erst nach seinem Tod erkennt er, dass er seine Kräfte an ein Mädchen weitergereicht hat. Auch in diesem Band wimmelt es nur von Abstrusitäten, von Hexen und Zauberern und vielem anderen Getier, die Geschichte liest sich ähnlich locker und angenehm.

Wer also mal Lust hat, in eine nicht ganz so ernste Fantasy-Welt einzutauchen, dem rate ich dieses Buch wärmstens an. Dabei macht man auf amazon.de nichts falsch.

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2 Kommentare

  1. Oder hier nochmals eine kleine Kostprobe:

    …Er [Rincewind] stemmte sich in die Höhe und beobachtete den Wald. Rincewind kam aus der Stadt; er hatte zwar gehört, daß es Pflanzenkenner gab, die Bäume in verschiedene Gruppen und Untergruppen einteilten, aber sein Wissen beschränkte sih darauf, daß das dicke Ding, an dem keine Blätter hingen, in den Boden gehörte. Langsam drehte er den Kopf. Hier ragten viel zu viele Stämme in die Höhe, und ihre Anordnung bildete überhaupt kein erkennbares Muster. Außerdem herrschte zwischen ihnen das reinste Chaos. Er nickte grimmig und kam zu dem Schluß, daß der Wald schon seit Äonen nicht mehr gefegt worden war…

    … Er versetzte dem nächsten Stamm einen ärgerlichen Tritt. Der Baum reagierte sofort und warf eine wohlgezielte Eichel auf ihn herab. “Au!” entfuhr es dem Zauberer. Gleich darauf ertönte eine Stimme, die sich anhörte, als schwinge eine uralte Tür zu. “Geschieht dir ganz recht.”
    Eine Zeitlang war es still.
    Dann fragte Rincewind: “Hast du das gesagt?”
    “Ja.”
    “Und das auch?”
    “Ja.”
    “Oh.” Er dachte kurz nach und fügte schließlich hinzu: “Ich nehme nicth an, du weißt nicht zufällig, vielleicht, äh, möglicherweise den Weg aus dem Wald?”
    “Nein”, sagte der Baum, “Ich komme nicht viel herum.”
    “Scheint ein ziemlich langweiliges Leben zu sein.”
    “Keine Ahnung”, erwiderte der Baum. “Ich kenne kein anderes, bin immer nur ein Baum gewesen.”…

  2. Ich kann die Scheibenwelt-Romane auch nur empfehlen. In letzter Zeit habe ich keine mehr gelesen, aber auf circa zehn Stück insgesamt bin ich früher schon gekommen. Besonders gut gefallen hat mir “Wachen! Wachen!”, das in Ankh-Morpork spielt. Aus einem Roman kann ich mich auch noch an diese Szene erinnern: Ein Zwerg fällt in einen Topf mit Ratten und ruft: “Hol’ mich sofort hier raus oder gib mir den Ketchup!”

    Auch gut die bildlichen Beschreibungen (hier aus der Wikipedia zitiert): “[Der Ankh] ist so verschmutzt, das sein ‘Wasser’-Spiegel auf einem höherem Niveau liegt als die umliegende Stadt. Es ist problemlos möglich, auf der Oberfläche zu laufen, jedoch gesundheitlich bedenklich. Die Bewohner Ankh-Morporks werden nicht müde die außerordentliche Sauberkeit des Flusses zu loben. ‘Was durch so viele Nieren geflossen ist, kann nicht mehr schmutzig sein.’”