Düstere Geschichten

Sin City

Empfehlung: Empfehlung

Dieser Film hat bereits vor dem Start genug Publicity: Robert Rodriguez und Quentin Tarantino (zuletzt gemeinsam im Vampirfilm “From Dusk till Dawn“) arbeiten endlich wieder zusammen, halb Hollywood spielt in dem Streifen mit (ausführliche Darstellerliste), der Streifen ist komplett digital abgedreht, die Altersfreigabe liegt ab 18 Jahren und die großen Kinoketten streiten sich mit den DVD-Verleihern um die Zweitvermarktung (mehr dazu hier).

Zur Geschichte: Keine Stadt ist auf dem zweiten Blick wirklich schön. Doch diese Stadt ist auf den ersten Blick zu erkennen. Gangster, Punks, Huren und verlorene Seelen prägen das Stadtbild von Sin City, der offiziellen Abschaum-Metropole des Universums. Der skrupellose Raufbold Marv (Mickey Rourke) sucht den Mörder des einzigen Menschen, der ihm je etwas bedeutete (Jaime King), und bricht jeden Knochen, der sich dabei in seinen Weg stellt. Privatdetektiv Dwight (Clive Owen) bekommt es mit einem wahren Bad Lieutenant (Benicio del Toro) zu tun, während der einzige gute Cop von Sin City (Bruce Willis) seine Pension und mehr riskiert beim Versuch, einem sadistischen Senatorensohn das Handwerk zu legen.

Eines vorneweg: Die Altersfreigabe ab 18 Jahre ist gerechtfertigt. Leute, die kein Blut, abgetrennte Körperteile und solche Dinge nicht sehen können, sollten einen weiten Bogen um den Film machen. Zwar “schönt” die Schwarz-Weiß-Optik die Brutalität etwas, aber nicht viel.
Der Film besteht aus drei Handlungssträngen, die gleichzeitig ablaufen und in der gleichen Stadt spielen, jedoch berühren sich die Geschichten nur lose und hängen nicht aneinander. Die Hauptmotive der drei Storys sind im Kern die gleichen: Liebe und Rache. Die Geschichte mit Bruce Willis bildet den Anfang und den Abschluss des Filmes, dazwischen werden die beiden anderen Geschichte wechselweise weitererzählt. Die Punkte, an denen von ein Handlungsstrang auf den nächsten gewechselt werden, sind dramaturgisch gut gesetzt, auch die Schnitte der Szenen passen gut. Allerdings ist die Kameraführung sehr progressiv, die Bildwechsel sehr schnell.

In den nächsten actiongeladenen Film geht es am Donnerstag, dann wird “Die Insel” begutachtet.

Sowohl die Handlung, als auch die Dialoge wurden mit minimalsten Änderungen eins zu eins aus dem Comic übernommen. Dies wird bei manchen Sätzen deutlich, die allzu pathetisch oder in die Szenen hineingesetzt klingen. Das Fehlen der Farben während des Filmes verdichtet den Flair der ewig dunklen und dreckigen Stadt immens, der komplette Film spielt bei Nacht. Zeitlich befindet sich die Stadt in den 20er Jahren von Amerika. Diese Zeit wurde auf die Kleidung, die Autos und die Schauplätze umgesetzt. Unverständlich dabei bleiben grobe und nicht erklärbare Stilbrüchen, wenn plötzlich eine hochmoderne Pistole, ein Ferrari neusten Datums oder ein Motorola-Handy auftauchen. Dies ist klar kein stilistisches Mittel, sondern Product Placement in übelster Weise.

Die bereits grandiose Schauspielerriege überzeugt auf ganzer Linie, es gibt hier keinen Aussetzer oder eine Falschbesetzung. Bruce Willis spielt den alten Ex-Cop sehr glaubwürdig, Michael Madsen den grobschlächtigen Schläger Marv umwerfend und mit einem Lächeln auf den Lippen. Selbst Frank Miller, der Autor des Skripts, spielt als Pfarrer in einer kleinen Nebenrolle, im Film mit. Allerdings fallen in Bezug auf die Zeichnung der Charaktere eine gewisse Tendenz auf: Die Männer sind häufig zwielichte Gestalten, selbst die Helden zeichnen sich durch Düsterheit aus. Die Frauen werden oft hilflos und (innerlich) blond dargestellt, werden aber in dem Moment des Scheitern des Mannes stark.

Der Film wäre ohne die Zusammenfassung der drei Comics handlungsarm, so verfolgt man die einzelnen Geschichten sehr gespannt. Jeder Zuschauer wird bei der Menge an Rollen und deren unterschiedlichen Backgrounds seinen Sympathieträger finden. Zum Abschluss stellt sich für mich die Frage, ob der Film ebenso gut gewesen wäre, wenn der Schwarz-Weiß-Look und die vielen Stars gefehlt hätten. Denn der einzige Schwachpunkt ist die Story, die (aus Comics bekannt) etwas dünn ist und nur durch die oben erwähnte Zusammenfassung von drei Episoden ausgeglichen wird.

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3 Kommentare

  1. Gut aufgepasst. Meist schreibe ich das Grundgerüst für die Kinofilme schon vor. Als Pfeil füge ich dann die mittlere Wertung ein und ändere sie dann nach dem Kinobesuch ab.

  2. Gibt es einen Grund warum du den Film anfangs nicht mit einem grünen Pfeil versehen hast? ;-)