Die fetten Jahre sind vorbei
Meine Empfehlung: 
Also mal wieder ein deutscher Film. Diesmal mit dem Jungstar Julia Jentsch (u. a. bekannt aus “Sophie Scholl” und “Der Untergang“) und dem nicht mehr ganz so jungen Jungstar Daniel Brühl (bekannt aus “Good Bye, Lenin!“). Hochgelobt wurde dieser Film wegen des guten Porträts der Haltung der heutigen Jugend, derer Wünsche und Ängste. Auch der politische Diskurs soll beispielhaft sein.
Zur Geschichte: Jan (Daniel Brühl), Peter (Stipe Erceg) und Jule (Julia Jentsch) wollen eigentlich nur ein bisschen gegen die Ungerechtigkeit der Welt rebellieren und den Pfeffersäcken im Villenviertel einen Denkzettel verpassen. Deshalb steigen sie bei Nacht- und Nebelaktionen in die Häuser ein. Doch statt zu stehlen verrücken sie die Möbel und veranstalten Streiche. Als sie bei einem ihrer Streifzüge plötzlich von dem Topmanager Hardenberg (Burghart Klaußner) überrascht werden, droht aus Spaß krimineller Ernst zu werden.
Der Film steigt mit einer der anfangs zentralen Handlungen ein: Dem Umräumen von Villeneinrichtungen wohlhabender Vorstädter. Die beiden männlichen Hauptdarsteller werden bei der “Belehrungsaktion” beobachtet, anschließend natürlich dem Entsetzen der gutbürgerlichen Bewohner. Den ganzen Film über erfährt man nicht, warum die beiden Protagonisten zu dem geworden sind, was sie heute darstellen. Die Beobachtung des momentanen Auslebens der eigenen persönlichen Vorstellungen ist aber nicht genug. Viel wichtiger ist der Werdegang eines jeden Einzelnen, warum er passiv oder aktiv gegen das System läuft oder sich gar widersetzt.
Der krasse Gegensatz ist die weibliche Hauptdarstellerin Julia Jentsch: Sie mimt sehr überzeugend ein am Kapitalismus gebrochenes Mädchen, dass in der “Maschinerie” vor sich hinlebt und ihre Schulden zurückbezahlt. Als sich nun der Weg der von Jan und Jule kreuzen, kommt es in der jungen Frau zur Rebellion. Dieses Umschwenken wird jedoch zu schnell vollzogen, besser wäre ein Tempo gewesen, das im ganzen übrigen Film beibehalten wird: Stoisch ruhig von außen wird die Zuspitzung der Ereignisse betrachtet. Die Tiefe der Charaktere verflacht dabei zum Ende hin immer mehr, es entsteht ein Einheitsbrei, der in einem ideologisch und weichgezeichneten Filmschluss enden.
Die Kameraführung ist gut, die Schnitte wohl gesetzt und die Schauspieler überzeugen im ersten Teil des Filmes. Leider verliert der Film schnell an Fahrt und zieht sich in die Länge. Einziger Lichtpunkt hier ist der großartig agierende Burghart Klaußner. Die Musik zum Film kommt, wie erwartet, progressiv wild aus den Lautsprechern und schlägt nur selten ruhigere Töne an. Aus dem Filmstoff hätte man mehr machen können, die Positionen der einzelnen Protagonisten verlieren zum Ende ihren breiten Meinungsspektrum.





