Was ist die Russische Matrix?

Wächter der Nacht (Nochnoi dozor)

Meine Empfehlung: Empfehlung
Empfehlung meiner Frau: Empfehlung

Ein Pedant aus einer Mischung zwischen “Hellboy” und “Matrix”? Und das auch noch aus Russland? Die Überraschung war groß, der Trailer spektakulär und mit epischer Musik unterlegt. Ließ die Hoffnung auf MEHR aufkommen.
Trotz der teilweise schlechten Kritiken und der nicht so guten Berichte von Bekannten, wagten wir sich meine Frau und ich am Kinodonnerstag ins Erlanger Cinestar um die “Schlacht zwischen Gut und Böse” zu verfolgen.

Zur Geschichte: Seit Hunderten von Jahren liegen auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion gute und schlechte überirdische Kräfte im direkten Clinch miteinander. Weil man sich wegen etwa gleicher Stärke nicht gegenseitig ausrotten kann, herrscht ein fragiler, von beiden Seiten überwachter Waffenstillstand, der nun durch zwei unabhängig voneinander stattfindende Ereignisse aus dem Gleichgewicht zu geraten droht. Anton (Konstantin Khabensky), vor Jahren für die Organisation der Guten namens “Night Watch” in Dienst getreten, soll das Schlimmste verhindern.

Der Film erschlägt einem zu Anfang mit viel Blut und Geschrei. Zur Mitte hin wird er ruhiger und am Schluß gleicht er einem Märchen mit offenen Ende. Die ganze Zeit über versucht dabei der Film episch zu wirken. Das sieht man anhand der Schauplätze, der Musik, der Dialoge. Die “Matrix” in diesem Film heißt “Zwielicht” und ist für normale Menschen nicht sichtbar. Die Filmemacher realisieren diesen Unterschied nur in einer leicht veränderten Kolorierung des Bildes und, was extrem nervig ist, dem übernatürlich lauten Summen von Fliegen.
Dabei ist die Idee nicht mal schlecht, auch die Story läßt an Verästelungen nichts zu wünschen übrig. Doch der Fehler des Films ist, dass er weder Fleisch noch Fisch sein will, die verschiedenen Handlungstypen nicht gleichmäßig verteilt wurden und das Tempo zu häufig variiert wird.

Dem gänzlich unbekannten Ensemble kann man nichts vorwerfen. Der männliche Hauptdarsteller Anton wirkt zu Beginn distanziert und übellaunig, wird dem Zuschauer später aber sympathischer. Die anderen Rollen bewegen sich, bis auf den Chef von Anton und seinem Sohn, ziemlich im Einheitsbrei.
Überhaupt fällt auf, dass die Russen bei der Produktion versucht haben, möglichst viele SciencFiction-Gimmicks einzubauen, die widernatürlich wirken sollen.
Wieder sehr ärgerlich ist das unübersehbare Product-Placement im Film. Nur zwei Marken, die unter anderem vorkommen: Nescafe und Nokia. Vielleicht ist das ja ein Übernahmeplan der Marken mit Anfangsbuchstaben “N”.
Einzig der Soundtrack hat uns beide restlos überzeugt. Hier wurde die bereits gute Qualität des im Trailer gehörten Stücke beibehalten. Somit bleibt ein Film, bei dem selbst nach einer Nacht drüber schlafen, ich mich nicht entscheiden kann, ob er mir gefallen hat oder nicht.

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