DVD-Abend

Was gibt es entspannenderes, als sich die Zeit zu nehmen, in Ruhe zwei DVD´s am Stück anzuschauen, dies mit einem guten Weiswein und einigen Knabbereien zu untermalen und einfach abhängen. Als filmische Leckerbissen habe ich mir zwei sehr konträre Filme ausgesucht. Mit “L.A. Crash” decke ich die Bereiche Drama/Thriller ab, mit “Kung Fu Hustle” die Sparten Action/Komödie. Im nachhinein eine exzellente Wahl. Doch lest selbst.

L.A. Crash

Meine Empfehlung: Empfehlung

Bis zum Jahre 2004 war der gebürtige Kanadier Paul Haggis eher unbekannt. Bisherige (erfolgreiche) Produktionen waren größtenteils für das amerikanische Fernsehen gelaufen. Doch letztes Jahr entschied er sich dafür, im Kinogeschäft einzusteigen. Und dies gelang ihm wahrhaftig: Mit den Filmen “Million Dollar Baby” und “L.A. Crash” brachte er zwei Streifen heraus, die auf der Top250-Liste von imdb.com stehen. Für Million Dollar Baby wurde er mit einem Oscar ausgezeichnet. Ein Grund mehr, seinem Thriller einer genaueren Prüfung zu unterziehen.

Zur Geschichte: Staatsanwalt Rick Cabot (Brendan Fraser) und Ehefrau Jean (Sandra Bullock) sehen sich in ihren ethnischen Vorurteilen bestätigt, als ihnen zwei schwarze Trickbetrüger (Larenz Tate und “Ludacris”) den fahrbaren Untersatz mopsen. Ausbaden muss ihre Wut der Latino vom Schlüsseldienst (Michael Pena), dem zu allem Überfluss auch noch ein frisch bestohlener iranischer Kurzwarenhändler rachsüchtig im Nacken sitzt. Keiner aber hasst alle Farbigen so sehr wie LA-Cop Ryan (Matt Dillon). Ein schwarzes Ehepaar (Terrence Dashon Howard und Thandie Newton) am Steuer eines Luxuswagens kommt ihm deshalb gerade recht.

Das Thema ist nicht gerade topaktuell, ist aber auch nie aus der Mode geraten. Vor allem im von vielen verschieden ethnischen und sozialen Bevölkerungsschichten geprägten Amerika. Die Zuschauer in Deutschland müssen somit ein wenig Interesse für diese sehr amerikanischen Probleme mitbringen. Zwar ist Diskriminierung sicher auch in Deutschland ein Problem, jedoch nicht so stark auf die Ethnie bezogen.

Die Darstellerriege ist beeindruckend: Don Cheadle, Matt Dillon, Jennifer Esposito, Thandie Newton, Sandra Bullock, Brendan Fraser, Ryan Phillippe, Terrence Howard, Tarenz Tate (volle Liste). Diese Darstellergruppe schafft es meisterlich, die Spannung zwischen den einzelnen Gruppen und Personen zu präsentieren. Doch eigentlich lässt sich die Qualität des Filmes nicht auf einen bestimmten Teilbereich heraussterilisieren. Großartige Musik geht einher mit wunderschönen Momentaufnahmen der Lebenssituation einzelner Charakter oder Stadtbilder bei Nacht. Die Qualität und Stimmung der Aufnahmen erinnert an den Thriller “Collateral“, der auch schon größtenteil in L.A. bei Nacht spielt. Die Verästelungen sind gut geschrieben, das wahre Ausmaß der Verzweigungen wird erst zum Ende klar ersichtlich. Ich habe mich dabei ertappt, nach einer guten halben Stunde selbst in das vorurteilhafte Denken hineinzufallen: “Diese Person wird doch sicher jetzt gleich das machen…”.

Einzig der etwas zu inkosequente Filmabschluss und die allzu amerikanische Thematik haben mich daran gehindert, die Höchstwertung für L.A. Crash zu vergeben.

Kung Fu Hustle

Meine Empfehlung: Empfehlung

Mit dem vorliegenden Film zeigt der Regisseur Stehpen Chow, dass chinesische Filme nicht nur aus Chackie Chan bestehen müssen und nicht immer nur aus Action oder Kung Fu bestehen müssen.

Zur Geschichte: Wir befinden uns im Jahr 1940. Ganz Shanghai zittert vor der fürchterlichen “Axtbande”. Ganz Shanghai? Nein! Ein von unbeugsamen Proletariern unter Führung einer resoluten Wirtin bewohntes Slum namens “Pigsty Alley” hört nicht auf, den schwerbewaffneten Gangstern Widerstand zu leisten. Nun will die Axtbande ihren härtesten Mann namens “The Beast” schicken. Pech nur, dass das Biest gerade hinter schwedischen Gardinen wohnt. Der jugendliche Taugenichts Sing, der den Äxten gerne beitreten würde, soll ihn befreien.

Kung Fu Hustle zündet ein wahres Feuerwerk verschiedenster Genre-Verweise. Als Zuschauer wähnt man sich von Szenenwechsel zu Szenenwechsel in einem anderen Film. Tradionelle Kampfsportszenen, die aus Kung Fu-Filmen aus den frühen 70er Jahren stammen könnten wechseln sich mit fast tarantionartigen symbolischen Wortgefechten ab. Veralberung von französischer Tricktechnik aus Asterix sowie amerikanischer aus Matrix und Fluch der Karibik wird ebenso geboten, wie die plakative Versetzung der Story in die 40er Jahre.

Leichte Abstriche gibt es bei Vertonung und Synchronisation. Hier wird ein Weg beschritten, der mir persönlich nicht so gefällt. Die Soundeffekte könnten lauter sein, die Musik ist sehr hintergründig, es fehlt das tongewaltige. Auch ist völlig klar, das sich der Film selbst nicht ernst nimmt. Gelegentlich endet das allerdings in einem Kopfschütteln meinerseits über die allzu starke Übertreibung. Doch der Film ist herzerfrischend und kurzweilig. Kung Fu Hustle 2 ist bereits angekündigt.

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