Zukunftsvisionen

So, endlich habe ich es geschafft, die aktuelle Galore zu Ende zu lesen. Bereits vor einigen Tagen habe ich die aktuelle Ausgabe erwähnt gehabt, da das wohl letzte Interview vor dem Tode Stanislav Lem Inhalt war.

Anfangs war ich von der Ausgabe 17 etwas enttäuscht. Zwar waren mit Keira Knightley (Jung-Schauspielerin), Rosenstolz (Musikgruppe), Bret Hart (ehemaliger Wrestling-Star) und einigen mehr interessante Leute interviewt, doch wurde diese ziemlich kurz gehalten. Doch dann stieß ich auf den Spezialteil “ZukunftsWelten” in der Heftmitte. Hier waren die ausgewählten Interviewpartner durchweg interessant und ausnahmslos alle Gespräche inhaltlich gut. Doch der Reihe nach:

Die Serie eröffnet der bereits vorher erwähnte Stanislav Lem. Im Gespräch philosophiert er über seine frühen Zukunfts-Utopien, deren teilweise Realisierung im Laufe der Jahrzehnte und der damit einhergehende Fluch der Technik. Er erklärt seine Wandlung vom Technikvisionär zum Technikkritiker und nimmt Stellung zu aktuellen Zeitströmungen.

Als zweite Person wird der deutsche Austronaut Thomas Reiter interviewt. Ihn werden Fragen zu seinem Werdegang und dem Leben am Bord einer Raumstation gestellt. Hier erfährt man kleine, kuriose Details aus dem Alltag im Weltraum. Er geht auf seine Sicht der “irdischen” Dinge vom Weltraum aus, ein. Thomas Reiter erscheint während des ganzen Interviews als sehr netter Gegenüber.
Dem Interview des Astronauten wird dem von Sigmar Wittig gegenübergestellt, seines Zeichens Vorstandsvorsitzender des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt. Er begründet in einem kurzen Gespräch auf die Notwendigkeit von bemannten Raumflügen.

Als nächster Gesprächspartner stand Joshua Davis im Fokus. Er ist als Webdesigner in Verbindung mit abstraktem Impressionismus bekannt geworden. Im Gespräch versucht er zu erklären, wie seine Impressionen am Computer entstehen, welche Verbindungen er zur Computerkunst sieht und warum sie so kurzlebig ist.

Mit Peter Molyneux wird einer der bekanntesten Entwickler für Computerspiele in die “Mangel” genommen. Er berichtet über die Enstehung von seinen bisherigen bekanntesten Spielen Populus und Black & White und der Position des Spielers in diese Spielen: Der eines Gottes. Interessant sind seine Schlussfolgerungen, warum seine Spiele aus dieser Perspektive so erfolgreich waren und warum Personen aus bestimmten Erdteilen eher nicht den “bösen” Gott spielen.
Dem Interview ist wieder ein “Ein-Seiten”-Interview dazwischengeschoben, hier wird ein Mitarbeiter von EA Games interviewt, Dirk Vojtilo, ein professioneller Spiele-Tester. Er räumt mit dem weitverbreiteten Mythos auf, Spiele-Tester sei der Traumberuf und täten den ganzen Tag nichts anderes als sich mit Computerspielen zu amüsieren. Außerdem berichtet er von den Schwierigkeiten, Spiele sprachlich zu lokalisieren.

Mit André Fischer von Product Visionaires wird ein Mann vom visuellen Fach interviewt. Er plaudert über Megatrends für Design im technischen Bereich, den iPod und anderen Gimmicks. Er erklärt, welche Personengruppen viel Geld für gut aussehende Luxusarktikel ausgeben.

Karlheinz Brandenburg liegt von seiner Bekanntheit her meilenweit hinter seiner Erfindung zurück: Dem mp3-Format. Er philosophiert über die Bedeutung des mp3-Formats für die Musikindustrie, dem weitverbreiteten Erfolg und der Entwicklung bis zum heutigen Tag.
Als Zwischeninterview ist ein Gespräch mit Dr. Reinhold Bauer von der Bundeswehr-Universität Hamburg eingeschoben. Er beschäftigt sich mit dem Thema “gescheiterte Innovationen” und erläutert in diesem Zusammenhang einiges zu dem oft fehlinterpretierten Begriff “Innovation”.

Intel-Hausanthropologin Genevieve Bell erzählt, warum ein Chip-Gigant eine Anthropologin beschäftigt und warum sie in Ihrem Job meist auf Erdteilen unterwegs ist, auf denen der herkömmliche europäische Computer nicht gerade nützlich ist.

Jason Deamer ist Figuren-Programmierer bei Pixar. Er war unter anderem als Charakter-Designer für “Monster AG” und “Findet Nemo” zuständig. Er berichtet, wie er in den Job bei Pixar “hineingestolpert” ist, welche Herausforderungen

Mit Rena Tangens, der Gründerin der Haecksen, einem weiblichen Hackerclub und Mitglied des Chaos Computer Clubs. Sie erklärt Unterschiede zwischen Datenschutz und Datenmissbrauch, zeigt Kritik an RFID und beschreibt, wie das Verhalten eines medienkritischen, mündigen Menschen aussehen sollte.
Demgegenüber preist Zygmunt Mierdorf, Vorstandsvorsitzender vom Metro-Konzern die neue Technik an und versucht die Vorteile von RFID für den Anwender/Kunden zu erläutern.

Mit Marissa Mayer wird ein, bezüglich Alter, Leichtgewicht interviewt. Bezüglich ihrer derzeitigen Position hat die Google-Chef-Visionärin und dritte Person hinter den beiden Google-Gründern einiges zu sagen. Sie erzählt von Google-Bombing, versucht die datenschutzrechtlichen Bedenken der Leute gegenüber Google auszuräumen und plaudert ein bisschen aus dem Nähkästchen bezüglich der Entwicklung von Google.

Für das Streitgespräch zwischen Norbert Bolz (Medienphilosoph) und Joseph Weizenbaum (Forschritts-Mahner) empfehle ich dringend einen ruhigen Raum und ein möglichst unterbrechungsfreies Lesen. Denn von Inhalt her sehr philosophisch und mit vielen geistigen Gedanksprüngen, bietet es doch zwei sehr geistreiche Betrachtungswinkel auf unsere heutige Medienlandschaft.

Natürlich darf bei einem solchen Oberthema auch Wikipedia-Gründer Jimmy Wales nicht fehlen. Er nimmt sich dem Thema an, wie ein Projekt wie Wikipedia die Wissenslandschaft der heutigen Zeit beeinflussen kann. Auch die Problematik der “Wahrheit” im Internet wird ausführlich diskutiert.

Den Abschluss bildet Commodore-Guru Dave Haynie mit einem kurzen, aber knackigen Interview über die damalige Entwicklung des “grauen Kastens” und einem Erklärungsversuch, warum der Commodere bis heute so legendär ist.

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3 Kommentare

  1. Das Interview mit Norbert Bolz ist großartig. Der Mann hat einfach Klasse! Er spricht übrigens auch auf dem 11. Trendtag am 11. Mai in Hamburg zum Thema Simplexity. Sehr spannend!

  2. Ich beziehe die Galore im Abo. Jedoch habe ich sie früher die ersten drei Monate am Bahnhofskiosk gekauft. Vielleicht hast du da Glück.

  3. Okay, Dein Posting hat mich überzeugt: Ich will Galore lesen, und zwar gleich morgen Vormittag auf der Zugfahrt nach München. Wo kann man denn in Erlangen “Galore” kaufen; am Bahnhof?