Meine Buchkritikreihe kurz nach Weihnachten setze ich mit einem Roman fort, der tagesaktuell zu einer Meldung passt und gleichzeitig vor kurzem in den Kinos war.
In dem Buch “Im Land der leeren Häuser” geht es um die nahe Zukunft, in der plötzlich von einem Jahr auf das andere keine Kinder mehr geboren werden. Diese Geschichte diente als Skriptvorlage für den Film “Children of Men” (imdb.com, Kritik bei Sebbi) mit Clive Owen in der Hauptrolle. Dazu passen auch der Artikel auf tagesschau.de: “In Deutschland leben immer weniger Menschen“, wodurch das Thema sein Brisanz bezieht.
Zur Geschichte: Im Jahre 2027 hat die Menschheit die Zeugungskraft verloren und läuft in einem letzten anarchistischen Aufbäumen dem eigenen Aussterben entgegen. Die weltweite Suche nach noch zeugungsfähigen Menschen, sowie die Forschung erlahmen. Große Teile der Insel sind von Wald bedeckt, viele Straßen von Gras überwuchert. In England, unter der Regierungsherrschaft eines Despoten, scheint die Welt noch in Ordnung zu herrschen, aufrechterhalten allerdings durch eine allgegenwärtige Geheimpolizei.
Mittendrin: Theo Faron, ein desillusionierter und in sich zurückgezogener Geschichtsprofessor. Als eines Tages eine fünfköpfige Dissidentengruppe bei ihm anklopft, beginnt für Theo eine Reise in das Ungewisse.
Man merkt am Schreibstil des Buches, dass Frau James üblicherweise andere Bücher schreibt und sie etwas älter ist. Das Buch entstand 1992, zu der Zeit war die Schriftstellerin bereits 72 Jahre alt. Schaut man sich ihre anderen Publikationen an, sind dies überwiegend Krimis mit einer soliden Story. Die Sätze und Kapitel sind getragen geschrieben, die Autorin nimmt sich viel Zeit bei der Beschreibung des Hauptcharakters. Nichtsdestotrotz oder gerade deswegen wirkt das Buch sehr stark auf mich: Immer, wenn in ein paar Randbemerkungen der Wandel der Gesellschaft beschrieben wird, die Theo gelegentlich streifen, liest man unwillkürlich schneller und ist wie gefesselt.
Es ist schwer, über das Buch zu schreiben ohne zuviel vom Inhalt zu verraten. Zu berichten ist, dass der Film in einigen wesentlichen Punkten abgewandelt wurde: So gibt es in der Usprungsgeschichte zum Beispiel keinen Rebellenuntergrund, sondern nur ein Häufchen von fünf Personen, die Zustände in England sind nicht kriegsähnlich, wie im Film gezeigt. Und obwohl diese beide beispielhaften Punkte sicherlich zur Dramaturgie der Handlung beitragen, fehlen sie im Buch eigenartigerweise nicht.
Und so empfand ich das Taschenbuch mit seinen 368 Seiten als sehr angenehm anderen Science-Fiction-Roman mit seinem ganz eigenen Reiz.
Meine Empfehlung: 






Das Buch hat auch was endzeitliches, mit einer Prise 1984 und alles zusammen in einem sehr ungewöhnlichen Umfeld. Ich hab eine Weile drin lesen müssen um mich damit anzufreunden, aber dann war ich sehr schnell durch.
@Plasma: Science-Fiction ist für mich sehr interessant, jedoch eher diese Endzeitgeschichten. Das von dir angesprochene Buch kenne ich jedoch nicht.
Der nächste Winterabend kommt bestimmt, aber hoffentlich erst wieder Mitte Dezember
Die Buchbeschreibung klingt sehr interessant. Da du scheinbar auf Science-Fiction ganz gut ansprichst, kennst du “Die Differenzmaschine” von Gibson und Sterling?
Das klingt gut, genau mein Geschmack. Das werde ich mir demnächst vielleicht mal holen, wenns in unserer Gemeinde wieder etwas ruhiger wird. Für lange Winterabende (wenn er dieses Jahr noch kommen sollte!)
Gruß David