Am Freitag stand Theater auf dem Programm. Im Nürnberger Schauspielhaus, pardon, Staatstheater. Als Stück hatten wir uns das angebliche Skandalstück “Die Räuber” von Friedrich Schiller ausgesucht. Die Geschichte kurz erzählt:
Franz Moor, jüngerer und von der Natur benachteiligter Sohn des Grafen Moor, spinnt eine ebenso kühl kalkulierte wie perfide Intrige: Durch einen gefälschten Brief macht er den Vater glauben, sein geliebter Erstgeborener, Karl, der in Wirklichkeit des Vaters Vergebung sucht, stürze fern vom Elternhaus die Familie in Schande. Der alte Moor lässt sich von dem Intriganten täuschen und überlässt Franz die briefliche Antwort an Karl. Der Zweitgeborene verfasst eine pardonlose Verfluchung. Wie der Vater, fällt auch Karl sofort auf die Täuschungen der Kanaille Franz herein und erklärt sich in einer Geste der Verzweiflung und des Trotzes zum Hauptmann einer Bande Räuber und Mörder in den böhmischen Wäldern.
Franz’ üble Nachrede wird so zur fatalen Wahrheit. Karl, der pathetische Rebell, zunächst Verfechter einer gerechteren Ordnung, wird zum schuldbeladenen Mörder. Unterdessen arbeitet Franz im heimatlichen Schloss weiter an seinem Aufstieg zur Macht. Der Vater geht plangemäß an der Trauer über den verlorenen Sohn zugrunde, nur Karls Braut Amalia hält diesem unverbrüchlich die Treue und Franz’ Zudringlichkeiten stand. Doch die Tragödie, geboren aus skrupellosem Existentialismus, mangelndem Vertrauen und fehlgeleitetem Idealismus, ist nicht mehr aufzuhalten …
Irgendwie tu ich mich Theaterkritiken schwer. Schwerer jedenfalls als Kino- oder andere Kritiken, die ich den lieben langen Tag hier so schreibe. Vielleicht liegt das an meinen geringen Kenntnissen deutscher Literatur. Mir fehlt eben doch die drei Jahre Grundkurs Deustsch. Die Frage stellt sich, ob man dadurch schlechter lebt. Meine Meinung: Nein, aber es entgeht einem doch etwas. Daraus ist natürlich keine Lese- oder Besuchspflicht der hohen deutschen Literatur abzuleiten. Wer kann schon aus dem Stand “Die Glocke” auswendig, weiß um was es in “Die Physiker” geht und kann erklären, warum Danton hingerichtet wird…
Die Nürnberger Inszenierung kam ins Gespräch und auch etwas in die Kritik: So ist eine Folterszene der von Abu Ghraib nachempfunden. Die Räuber haben etliche in der Vorlage nicht existente Szenen hinzubekommen. Der Regisseur versucht, die zu Schillers Zeiten skandalöse Züge, Räuber auftreten zu lassen, auf die Gegenwart zu übertragen. Zwar ist dies keine schlechte Idee und führt auch zu einen Lachern und Unterhaltung beim Publikum, verfehlt jedoch teilweise das Ziel. Außerdem streckt es das Stück in die Länge.
Darstellertechnisch gibt es nur wenige Punkte zu bemängeln. Die Geliebte Karls, Amalia, wirkt etwas blass. Leider ist dies mir schon häufiger aufgefallen, dass der weibliche Part nicht immer zu überzeugen weiß. Ob dies an dem Ensemble der Nürnberger oder der Stücke liegt, die ich bisher gesehen habe, konnte ich für mich nicht ganz klären.
Franz Moor wird überragend dargestellt von Andreas Uhse dargestellt. Seine Hinterlist, Boshaftigkeit und Verbitterung verkörpert er mit Haut und Haar. Ganz im Gegensatz zu Karl Moor, hier ist nicht verständlich, warum sich die Räuber für die Figur des Hauptmanns opfern. Er wirkt zu unentschlossen, zu wankelmütig. Hier hätte ein deutlich stärkere Ausprägung der Charakterdarstellung gutgetan. Rein körperlich und vom Erscheinungsbild war die Besetzung in Ordnung.
Wie bei allen modern inszenierten Theaterstücken gilt, sich vor der Aufführung etwas über die Geschichte und die Handlungsstränge zu informieren. Hat man dies getan, sind die “Nürnberger Räuber” durchaus sehenswert.
Meine Empfehlung: 








