Kampf mit dem Passepartout

Immer wieder sehe ich in Ausstellungen Bilder, bei denen das Passepartout schlampig angebracht ist oder das Bild sich wellt. Da ich vor ein paar Tagen dazu ein Audiokommentar auf HappyShooting abgegeben habe, die bei Personen, die sich noch nicht mit dem Thema beschäftigt haben, auf Unverständnis stieß, hier nun einen Bilderstrecke mit Erläuterung dazu.

Zu Anfang vorneweg: Ich gehe davon aus, dass der geneigte Leser sich gute Passepartouts besorgt hat, die von der Größe und Farbe her passen. Es gibt dabei nicht die eine, richtige Farbe. Ob das Passepartout nun weiß, cremefarben oder schwarz ist, ob das innere schräge nun eine andere Farbe hat oder nicht, ist von Bild zu Bild und von Ausstellung zu Ausstellung zu unterscheiden. Auch die gewählte Größe ist persönliche Geschmackssache. In dem nun beschriebenen Fall ist das Bild einen Tick größer als 20×30 cm, die Außenmaße des Passepartouts sind 40x50cm. Denkbar wäre auch ein quadratisches Bild, oder ein Bild mit 30x40cm Abmessung. Ihr entscheidet.

Ich halte nichts von vorgeschnittenen Passepartouts. Hier habe ich zu wenig Einfluss- und Korrekturmöglichkeiten. Auf Anfrage zuschneiden lassen ist meine Wahl. Ob das nun im Fach-Rahmengeschäft oder im Baumarkt ist, muss jeder für sich entscheiden.

Klar kann man auch selbst schneiden. Für den Eigenbedarf sicher in Ordnung. Aber für eine Präsentation vor vielen Besuchern, Wettkampfrichtern oder potentiellen Käufern? Für mich keine Option.

Ich behandle nachfolgend zwei große Punkte:

  • Wie kann ich ein Wellen des Bildes, ein Abstehen vom Passepartout oder eine nicht eben Fläche vermeiden?
  • Wie kann ich, wenn ich häufiger an Ausstellungen oder Wettbewerben teilnehme, ein Passepartouts mehrmals verwenden?

Die vorgestellte Lösung ist nicht oder nur bedingt für einen langfristigen Einsatz gedacht. Hintergrund: Alle verwendeten Materialien sich nicht archivecht. Heißt, der Kleber könnte das Bild angreifen, er löst sich nach mehreren Jahren auf oder ähnliches. Soll das Bild Jahre oder Jahrzehnten an Ort und Stelle hängen und sich möglichst nicht verziehen/wellen/herunterfallen/verrutschen, ist dringend ein Verkleben des kompletten Bildes mit Passepartout und Rahmen anzuraten, archivechte Kleber/Befestigungen sind Pflicht.

Nun aber genug der Vorrede, hier die verwendete Materialien:

  • Langes, dünnes Lineal, am besten aus Stahl oder ähnliches. Habe meines aus dem Architekturbedarf
  • Gewünschtes Passepartout und Foto
  • Packklebeband und Kreppklebeband
  • Klebestift oder Fotoklebepunkte (es gibt auch Fotoklebeabroller, die in einem Stück durchziehen, diese sind am besten, aber teuer)
  • Cutter und Schere
  • Passepartouts-Reste (gibt einem auf Anfrage der Zuschneider des Passepartouts mit)
  • Saubere Stoffhandschuhe (meine sind aus der Apotheke, eigentlich für Wundbehandlung, kosten nicht die Welt)
  • Rückwandkarton, säurefrei, auf einer Seite selbstklebend (ich kaufe etwa 120 x80 cm, kostet etwa sieben bis zehn Euro, gehen 16 Rückwände für 30×20-Bilder raus)

Passepartouts - 1 von 12

Wir nehmen den auf einer Seite selbstklebenden Rückwandkarton und schneiden ihn mit dem Cutter oder der Schere auf die ungefähre Größe des Fotos zu. Hier kommt es nicht auf den Millimeter an. Nun ziehen wir auf der kurzen Seite die Folie etwas ab und knicken diese auf voller Länge auf etwa ein bis zwei Zentimeter um. Spätestens jetzt ziehen wir uns die Handschuhe an.

Passepartouts - 2 von 12

Auf den klebenden Streifen richten wir das Bild aus legen es darauf. Mit zwei bis drei flachen Finger streichen wir mit leichten Druck von der Mitte ausgehend das Bild gegen den Karton. Unser Ziel ist es, keine Lufblasen einzuschließen. Haben wir das Bild festgestrichen, ziehen wir jetztdei Folie etwas mehr ab, streichen wieder und wiederholen diese Schritte, bis das Bild auf dem Karton aufgebracht ist. Gegenlichtkontrolle, hoffentlich ist die Ebene schön plan. Wer sich unsicher ist, probiert es erstmal an einem “Versuchsbild”.

Passepartouts - 3 von 12

Passepartouts - 4 von 12

Passepartouts - 5 von 12

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Nun kommen wir zur Vorbereitung des Passepartouts. Wie erwähnt, diese Lösung ist für zeitliche befristete Aussstellungen gedacht oder wenn die Passepartouts häufig bei Fotowettbewerben eingesendet werden. Denn, Passepartouts sind (leider) nicht billig.
Auf der Rückseite des Passepartouts kleben wir rings um den Ausschnitt das Packklebeband. Wichtig dabei ist, es gut anzudrücken und der Untergrund, auf dem die Vorderseite des Passepartouts liegt, sollte sehr sauber sein. Denn schließlich ist das die Seite, die der Betrachter einmal sehen wird. Das Klebeband kann ruhig überlappen, es muss auch nicht punktgenau bis zur Kante gehen.

Passepartouts - 7 von 12

Die Passepartout-Reste versehen wir mit Fotoklebern oder mit Kleber und kleben diese rundum an die Außenkanten des Passepartouts. Hier ist auch Passgenauigkeit nicht so wichtig, es kann auch mit den Streifen gestückelt werden. Diese sehenn wir später nicht mehr, verschwinden sie doch im Rahmen. Und das ist auch der Grund, warum wir diese Streifen brauchen: Die Rahmenrückwand drückt gegen unser Bild, welches ohne die Streifen deutlich dicker ist, als unser Passepartout. Somit würde über die Zeit hinweg eine nicht zu übersehende Wölbung nach vorne in der Mitte des Bildes erscheinen. Die Streifen vermeiden dies.

Passepartouts - 8 von 12

Jetzt kleben wir das auf den Rückwandkarton aufgezogene Bild an das Passepartout. Dazu nehmen wir das Krepp-Klebeband und reißen einen Streifen ab, etwa so lange wie die lange Kante des Bildes. wir kleben ihn auf dem Bild fest, heben das Bild mitsamt Klebestreifen auf die Rückseite des Passepartouts und drücken das Klebeband leicht an den Enden auf das Passepartout. Alles gemeinsam halten wir gut fest und drehen das Ganze auf die Vorderseite um. Passt die Ausrichtung? Eventuell korrigieren wir noch nach, bis der Ausschnitt passt, dann drücken wir das Klebeband auf ganzer Länge fest. Wichtig dabei ist: Alles Krepp-Klebeband muss auf dem Pack-Klebenband landen. Nun kleben wir noch die anderen drei Seiten fest und drücken diese gut an.

Passepartouts - 9 von 12

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Wir drehen das Bild um, fertig! Das Krepp-Kleband erlaubt es uns in Zukunft, es abzuziehen (nicht zu schnell, gelegentlich löst sich das Pack-Klebeband mit) und ein neues Bild aufzubringen.

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Passepartouts - 12 von 12

Viel Spaß beim Ausprobieren. Vielen Dank an Norbert für den kurzen Intensivworkshop im Fotoclub Schwabach zu diesem Thema!

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