Nachdem ich immer wieder gefragt werde, was ich denn an Bildern nachbearbeite, was eine Visagistin bei einem Shooting ausmacht und warum man die Bilder, die aus der Kamera kommen, nicht gleich mitnehmen/anschauen kann, habe ich mich entschlossen, exemplarisch an zwei Bildern kurz die Entwicklungsschritte zu zeigen. Die Visagistik erfolgte dabei durch Kamyara Jameson, die Nachbearbeitung von mir.

Zu sehen sind drei Bilder: links das Model vor dem Fotoshooting, ungeschminkt, aber mit einem Blitzschirm links und einem Aufheller rechts ausgeleuchtet. In der Mitte das Bild, wie es als RAW-Datei aus der Kamera kommt. Und rechts das fast fertig bearbeitete Bild.
Wichtig dazu zu sagen: die inszenierten Fotos von mir erheben nicht den Anspruch, die Realität abzubilden. Ganz im Gegenteil, ich als Fotograf und Künstler habe ein bestimmtes Bild im Kopf, diese möchte ich umgesetzt haben.
Ich bin ein starker Anhänger, beim Aufnehmen des Bildes bereits alles möglichst korrekt zu machen. In der Nachbearbeitung werden dann von mir lediglich Belichtung, Weißabgleich, Hautunreinheiten und Falten angepasst und das ein oder andere störende Detail korrigiert.
Eine anderen Ansatz verfolge ich bei Reportagefotos. Hier ist, bis auf WEißabgleich, Belichtung und eventuell der Ausschnitt, gar nichts korrigiert.
Häufig bekommt man als Fotograf zu hören: “…ja, mit der digitalen Technik kann man ja alles ändern…”. Ja und nein. Auch bereits bei der analogen Technik im Filmlabor wurde nachbelichtet und abgewedelt, wurden Personen rausretuschiert oder Details hinzufgefügt. Man denke nur an die Propagandafotos von Stalin oder anderen Despoten. Ist es, nur weil die Manipulation weniger aufwendig ist, verwerflicher?

Sicher kann man am Computera alles ändern. Es gibt auch Fotografen, die lediglich das Objekt fotografieren und den Hintergrund im Computer entstehen lassen. Oder genau andersrum. Sehr häufig wird das zum Beispiel von der Automobilindustrie gemacht: das Fahrzeug entsteht am Computer, die Hintergründe sind mehr oder minder reell. Aber was da für ein Aufwand dahinter steckt, das wird selten gesehen. An solch einem Bild sitzt ein ganzes Team mehrere Stunden oder Tage.