Mein Workflow – Teil II

Die Anzahl der Bilder, mit denen ich von einem Fotoshooting nach Hause komme, sind sehr unterschiedlich. Manchmal sind es nur 100, manchmal 3000 Bilder. Vor allem bei Hochzeiten und sonstigen Reportagen, wo sich die situativen Bedingungen der Gäste und Teilnehmer ständig ändert, fotografiere ich viel. Hinzu kommen häufig die Bilder des zweiten Fotografen, falls jemand mich unterstützt.

Doch egal wie viele Bilder es im Endeffekt sind, mein Workflow (sorry, natürlich kann ich auch Arbeitsablauf sagen) ist immer gleich. Lediglich die einzelnen Schritte benötigen mehr Zeit, der Rechner mehr Rechenzeit.

Komme ich nach Hause, werden alle Speicherkarten aus allen Kameras gesammelt und kommen auf den Schreibtisch in ein “zu importieren”-Kästchen. Erst wenn eine Speicherkarte importiert wurde, wandert diese in das zweite Kästchen, dem “Erledigt”-Kästchen. Hier bleibt sie, wie bereits schon erwähnt, eine Woche liegen, bis sie wieder zum Einsatz kommt. Bei allen Karten ist der Schreibschutz aktiviert, um versehentliches Löschen zu vermeiden.

Die Bilder werden in Lightroom importiert. Beim Import gebe ich den Bildern bereits eine gewisse Standardentwicklung mit, die sich in den letzten Jahren herausgebildet hat. Außerdem erhalten die Bilder schon mehrere Stichworte, anzahlmäßig in etwa drei bis fünf. Während die Bidler importiert werden, legen ich in Lightroom einen Smart-Sammlung an. Filterkriterien: die eben vergebenen Stichworte und der Zeitraum, bzw. das Datum, in welche die Bilder dieses Auftrages entstanden sind.
Warum eine Smart-Sammlung und keine statische. Mehrere Gründe sprechen für eine Smart-Sammlung:

  • Bilder, die im Laufe weiterer zu importierender Karten hinzukommen, werden automatisch eingeschlossen
  • Farb- und Löschunsmarkierungen gelten nicht nur in der Sammlung, sondern global für den kompletten Katalog

Nach Import aller Bilder folgen zwei große Schritte, um auf die “Endauswahl” der Bilder zu kommen. Der erste Schritt ist ein Durchsehen aller Bilder. In Vollbild, ohne eingeblendete Menüs und der Computer hat für mich vorher 1:1-Vorschauen erstellt. Jedes Bild bekommt etwa ein bis zwei Sekunden. In dieser kurzen Zeit heißt es “Top oder Flop”, ein X für abgelehnt, ein Drücken auf die Pfeiltaste, um weiter zu springen. Hierbei ist es essentiell, die Tastaturkürzel verinnerlicht zu haben, beschleunigt das doch die Durchschau enorm.

Dieser Durchgang ist auf starkes aussortieren ausgelegt. Stimmt das Bauchgefühl nicht, sind die Bilder nicht 100% scharf oder andere grobe Schnitzer vorhanden, fliegt das Bild raus. In diesem Schritt werden keine Bilder bearbeitet oder mit Sternchen versehen. Einzige Ausnahme: Making-Of-Bilder markiere ich rot (Zifferntaste “6″), um diese später leichter finden oder ausblenden zu können. Nach diesem Schritt bleiben etwa nur noch 30 bis 50 % der ursprünglichen Bilder übrig. Diesen ersten Schritt versuche ich immer, in einem Rutsch zu machen. Manchmal ist er in 20 Minuten erledigt, manchmal in der doppelten oder dreifachen Zeit. Im Anschluss an diesen Schritt lasse ich die restliche Auswahl meist einen Tag ruhen, wenn es die Zeit und der Kunde zulässt. Die meisten tun dies. Die abgelehnten Bilder werden nicht gleich gelöscht, sondern bleibe noch etwa zwei Wochen im Katalog liegen.

Im zweiten großen Schritt folgt die Wertung der restlichen Bilder. Dabei nutze ich von den möglichen fünf Sternen alle aus. Bilder mit einem Stern werden gelöscht, Bilder mit zwei Sternen sind nur als Backup für die Retusche, werden aber auch im späteren Verlauf entfernt. Bilder mit drei und vier Sternen gehen an den Kunden, bzw. das Model grundsätzlich nachbearbeitet (Zuschnitt, Belichtung, Färbung, globale Retusche, alles in Lightroom) ausgeliefert
Nun kommt es zu einer Entscheidung, was es für ein Fotoshooting ist.
Bei Kundenaufträgen mache ich keinen Unterschied, ob die Bilder drei, vier oder fünf Sterne haben, diese werden meistens alle an den Kunden gegeben. Die Bewertung ist dann nur für mich hilfreich, falls der Kunde mir die Auswahl überlässt oder nur einzelnen, komplett aufbearbeitete Bilder ausgeliefert werden. Je nach Kundenanforderungen werden manche Bilder komplett in Lightroom nachbearbeitet, andere in Photoshop.

Ist es mein eigenes Fotoshooting erhalten die besten Bilder fünf Sterne und wandern später zum Nachbearbeiten. Die Bilder mit fünf Sternen werden für den Blog, meine Portfolio-Mappen, die Webseite und andere Dinge verwendet. Auch hier gibt es Bilder, die Photoshop nie zu Gesicht bekommen, weil dies schlicht Overkill wäre

Nachdem das Projekt oder der Kundenauftrag abgeschlossen ist, wird die Smart-Sammlung in eine statische Sammlung umgewandelt und in eine Ordnerstruktur nach Gegebenheit einsortiert, um in die Sammlungen etwas Ordnung zu bringen. Das ist, kurz skizziert, mein grundsätzlicher Workflow. Manchmal weicht er an der ein oder anderen Stelle etwas ab, im großen und ganzen läuft er jedoch so ab. Fragen? Gerne, immer her damit.

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