Bücher


17
Apr 07

Das Wandern ist des Kerkelings Lust

Hape Kerkeling ist doch ein Ausnahmekomiker. Wie oft habe ich mir schon gedacht, ach alter Hut, wenn ich Hape in einem neuen Sendformat gesehen habe. Und dann diese seltsame Figur: Horst Schlämmer. Ein Typ, wenn man ihm auf der Straße begegnet unbewußt auf die andere Seite wechselt. Umso mehr überraschte mich sein Buch, in dem er über seine Pilgerreise auf dem Jakobsweg berichtet.

Ich bin dann mal weg – Meine Reise auf dem Jakobsweg

Der Jakobsweg beschreibt eine mitteralterliche stark begangene Strecke nach Santiago de Compostela. In dieser Stadt befindet sich das Grab des Apostels Jakobus. Wer den gesamten Weg geht, lässt gut 600 Kilometer hinter sich, der Weg gilt jedoch auch als gepilgert, wenn man die letzten 200 Kilometer mit dem Fahrrad oder dem Pferd bewältigt oder die letzten 100 Kilometer per pedes nimmt.

Was mir völlig unbekannt war: Europa ist durchzogen mit regionalen und überregionalen Jakobswegen. Sehr schön zu sehen auf dieser Karte, bei Wikipedia (Artikel zum Jakobsweg). Und das ein “Weg” als UNESCO-Kulturerbe aufgenommen werden kann, war mir auch völlig unbekannt. Seis drum, zum Buch:

Liest man den Klappentext und den Titel des Buches, könnte man schnell meinen, das Buch ist einer der Wanderführer, die in letzter Zeit immer mehr Prominente veröffentlichen. Doch da liegt man falsch. Der Herr Kerkeling beschritt den Weg aufgrund gesundheitlicher Probleme und um ganz bewusst abzuschalten. Somit ist auch das Buch etwas ungewöhnlicher geraten und Hape bietet immer wieder tiefere Einblicke, ohne dabei zu privat zu werden.

Auch die Tatsache, dass eigentlich ursprünglich die Pilger den Weg beschritten haben, um Buße zu tun oder ihren Glauben zu stärken, findet sich im Buch wieder. Jedoch ist es, wie mittlerweile bei den Klöstern. Einkehren kann für gewisse Zeit jeder, Glaube an den einen Gott nicht vorausgesetzt. Und doch ist das der richtige Weg, denn Gott kann sich ja bekanntlich auf vielerlei Weise den Menschen offenbaren und nicht nur über die Wege, welche der Mensch festlegt.

Aber trotzdem scheint der Weg dem Hape Kerkeling nicht unbedingt das gezeigt zu haben. Zwar berichtet er von Glauben und einem Schöpfer, die Schilderung aber bleiben diffus und sind vermengt mit Glaubensrichtungen, wie dem Buddhismus. Auch das Kennenlernen von Pilgerfreunden und die landschaftliche Schilderung nehmen einen großen Part ein.

Klammert man den Punkt “Glauben” bei der Betrachtung des Buches aus (was ich ungern tue, da dies ja das Wesen der Jakobswege ist), bleibt also doch nur ein gewöhnlicher Reisebericht. Nett geschrieben, meist durchschnittlich spannend zu lesen, gelegentlich erheiternd, aber eben nicht mehr.

Meine Empfehlung: Buch-Empfehlung


29
Mrz 07

Fantastisch

Wilde Reise durch die Nacht

Eine Buchkritik von Walter Moers hatte ich euch noch versprochen. Tja, allerdings erstmal das vorerst letzte Buch von Walter Moers, welches zur Zeit im Handel verfügbar sind (wer sich für die anderen interessiert, schau hier). Wobei “Wilde Reise durch die Nacht” rein gar nichts mit dem Kontinent Zamonien zu tun hat.

Allein die Ausgangslage für das Buch ist komplett anders. Moers verzichtet komplett auf eigene Illustrationen und konstruiert stattdessen eine Geschichte um die Illustrationen des französischen Zeichners Gustave Doré aus dem 18.ten Jahrhundert. Das Ergebnis lässt sich durchaus sehen: So werden die Illustrationen seitenfüllend an der jeweils betreffenden Stelle abgedruckt und laden zum Studium der sehr detailverliebten Bilder.

Das Buch ist schnell gelesen, aber nicht nur durch die geringe Seitenzahl von gut 200, sondern hauptsächlich durch die sehr spannende Geschichte. Moers und der Leser begleiten den 12-jährigen Gustave durch seine Traumwelt, in der er mehrere harte Aufgaben lösen muss. Auch wenn der Betrachtungswinkel des Hauptdarstellers eher von einem pubertierenden Teenie ausgeht, sind die Beschreibungen von einzelnen Szenen gelegentlich zu direkt, um das Buch als Kinderbuch gelten zu lassen.

Spätestens wenn man an ein oder zwei Tagen das Buch rasch durchgelesen hat, wird man sich wünschen, Walter Moers hätte die Story etwas mehr ausgebaut. Im Rückblick hält sich der Autor sehr sklavisch an die Bilder, was auch mein einziger Kritikpunkt an “Wilde Reise durch die Nacht” ist und mich von der Vergabe einer Höchstwertung abhält.

Meine Empfehlung: Buch-Empfehlung


6
Mrz 07

Bücher leben

Die Stadt der träumenden Bücher

Nachdem ich in letzter Zeit angefangen habe, die Bücher von Walter Moers zu lesen (1, 2), folgt hier nur die Kritik zum vierten Buch aus dem Reich Zamonien, “Die Stadt der träumenden Bücher”.

Das gut 450 Seiten fassende Buch aus dem Jahr 2006 hat wieder ein Charakter als Hauptdarsteller, welcher in den vorigen Romanen bereits einige Male Erwähnung fand: Hildegunsst von Mythenmetz, ein schriftstellernder Lindwurm, der zu einem der bedeutenden Schriftsteller von Zamonien gehört. “Die Stadt der träumenden Bücher” erzählt von Hildegunst Jugendjahren (im Buch ist er gerade einmal 77 Jahre alt, für Lindwürmer geradezu ein Jungspund), bevor er überhaupt ein eigenes Werk geschrieben hat.

Alles beginnt in der Lindwurmfeste, eine Hochburg der Schrifsteller und mit dem Tod von Hildegunsts Lehrmeisters. In dessen Nachlass findet Mythenmetz ein Manuskript von höchster Schreibqualität. Völlig von den paar Seiten Papier vereinnahmt, macht er sich auf die Reise nach Buchhaim, DER Stadt für Verleger, Dichter, Autoren, Antiquariate, um den geheimnisvollen Fremden und Schöpfer des Manuskriptes zu finden. Natürlich läuft die Suche jedoch nicht wie erwartet.

Auch zu diesem Buch muss man sagen: Respekt. Sowohl der Hauptcharakter als auch die neuen Detail zu Zamonien, Buchhaim und den neu vorgestellten Geschöpfen fügen sich nahtlos in das bisherige Zamonien-Bild ein. Obwohl ich mit dem Buch bereits die dritte Reise durch Zamonien mache (Blaubär und Rumo), ist das Buch doch wieder anders. Und eigentlich nur durch einen simplen Trick: Hildegunst von Mythenmetz ist eher von ängstlich-zurückhaltender Art, nicht der Abenteurer. Somit betrachtet er und ich die Welt um ihn herum und die Geschehnisse mit ganz anderen Augen.

Dabei passiert in diesem Buch nicht unbedingt weniger, sondern mehr, die Schlagfolge ist höher. Deshalb ist meiner Meinung dieses Buch ein würdiges Werk in der oben erwähnten Reihe der Erzählungen zu einzelnen Charakteren aus Zamonien. Wünschenswert wäre nun ein Buch über die “Jugendjahre” von Prof. Dr. Abdul Nachtigaller oder eine genauerer Bericht zu den Zwergpiraten.

Nun, laut Amazon soll das nächste Buch “Der Schrecksenmeister” soll im Herbst erscheinen. Welches Jahr ist noch unklar. Nein, Spaß beiseite, der Termin wurde schon mehrmals verschoben, man wird sehen, wann das Buch rauskommt.

Meine Empfehlung:Buch-Empfehlung


11
Feb 07

Neues aus Zamonien

Wider Erwarten habe ich es doch dem nächsten Weihnachtsfest geschafft, die nächsten Bände der Zamonien-Bücher von Walter Moers zu lesen. Dies gelang mir nur durch hartes und konsequentes Lesen auf meinen zehn minütigen Zugreisen morgens und abends als auch in den Wartezeiten (teilweise länger als die eigentlichen Zugfahrten :-( ).

Für die nicht so regelmäßigen Leser meines Blogs: Ende Dezember habe ich endlich mit dem Lesen des ersten Romanes aus dem Reich Zamonien von oben genannten Schriftstellers angefangen, “Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär“. Das Buch war ganz gut, deshalb machte ich mich ziemlich zügig daran, die weiteren Bücher von Walter Moers zu dem Thema zu lesen.

Die von mir eingeschlagene Lesereihenfolge der bisherigen Zamonien-Bücher empfehle ich auch jedem Neueinsteiger. Diese wären wie folgt:

  1. Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär
  2. Rumo und Die Wunder im Dunkeln
  3. Ensel und Krete

Neben den drei genannten Büchern gibt es auch noch andere Roman mit ähnlichem Hintergrund. Diese werde ich in nächster Zeit vorstellen. Doch nun erstmal die Kritiken zu den beiden letztgenannten Büchern.

Rumo

Mit dem Hauptcharakter in diesem Roman wählt der Autor eine Figur, die mir aus dem ersten Buch bereits als Nebenfigur bekannt: Rumo, ein Wolpertinger und von Beruf der Leibwächter des zwielichtigen Unterweltbosses Volzotan Smeik. Was ist ein Wolpertinger? Wikipedia beschreibt ihn wie folgt:

Der deutsche Schriftsteller Walter Moers, gab in seinem Werk “Rumo & Die Wunder im Dunkeln”, dem Wolpertinger ein neues Aussehen. Dabei handelt es sich aber um einen zamonischen Wolpertinger. So sind in seinem Werk die Wolpertinger eine Mischung aus Wolf und Reh. Somit besitzen Sie die Angriffslust und Stärke eines Wolfes aber sind grazil und beweglich wie ein Reh.

Das Buch beschreibt jedoch die Kinder- und Jugendjahre von Rumo: Seine Herkunft, die Verschleppung durch Zyklopen, die Suche nach dem silbernen Geruchsfaden, das Finden und Leben in der Wolpertinger-Stadt “Wolperting” und einige weitere Abenteuer.

Walter Moers beschreibt dabei das Wachstum und die Entwicklung von Rumo sehr detailreich und lebhaft. Frei von den Zwängen, erst einmal die Welt Zamonien beschreiben zu müssen, entwickelt sich die Handlung im ersten Teil viel schneller und ereignisreicher fort, als in die “Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär”. Es macht Spaß, den Reisen und Ereignissen des jungen Wolpertingers zu folgen.

Erst zur Mitte des Buches, als Rumo in die “Untenwelt” vorstößt und der Autor zwangsläufig die “neue” Umwelt beschreiben muss, verlangsamt sich die Handlung etwas, nimmt aber zum letzten Drittel sehr dynamisch an Fahrt auf. Im Vergleich zum ersten Buch der Zamonien-Welt ist “Rumo und Die Wunder im Dunkeln” spannender und schneller zu lesen. Zwei Empfehlungen seien eventuellen Lesern mitgegeben: Das Buch ist kein Kinderbuch, speziell der zweite Teil im Buch, die “Untenwelt”, ist sehr düster und die Handlung enthält teilweise für Kinder sehr brutale Szenen. Zweitens sollte unbedingt “Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär” vorher gelesen werden.

Meine Empfehlung: Buch-Empfehlung

Ensel und Krete

Mit “Ensel und Krete” werden sowohl von den Hauptfiguren als auch von der Art des Schreibens teils neue Wege eingeschlagen. Ensel und Krete sind zwei Fhernhachenkinder, ein kleinwüchsiges, harmoniebedürftiges Volk aus Zamonien. Die beiden sind aus früheren Bänden noch nicht bekannt.

Der Schauplatz des Abenteuers der beiden Fhernachen ist der “Große Wald”, in denen die Buntbären hausen und welcher als Urlaubsgebiet für Zamonien gilt. Als jedoch Ensel und Krete von den gesicherten Wegen abweichen und sich im Großen Wald verlaufen, erleben sie einiges.

Beim Lesen des dritten Buches muss man sich immer wieder klar vor Augen halten, dass “Ensel und Krete” eine Märchenparodie ist. Zusätzlich simuliert Walter Moers im Roman, als ob das Buch von ihm “nur” aus dem zamonischen vom Großautor “Hildegunst von Mythenmetz” übersetzt wurde. Das Buch beinhaltet außerdem immer wieder Einschübe von Kommentaren von Hildegunst von Mythenmetz.

Um es klar zu sagen: Das Buch ist sicherlich nicht schlecht, jedoch sprachen mich weder die stilistischen Mittel der Einschübe und der Übersetzungssimulation an, noch trat die Veralberung des Märchens so klar zu Tage, als dass ich diese als witzig empfunden hätte.

Meine Empfehlung: Buch-Empfehlung


9
Jan 07

Das Ende der Menschheit

Meine Buchkritikreihe kurz nach Weihnachten setze ich mit einem Roman fort, der tagesaktuell zu einer Meldung passt und gleichzeitig vor kurzem in den Kinos war.

Buchcover - Im Land der leeren HäuserIn dem Buch “Im Land der leeren Häuser” geht es um die nahe Zukunft, in der plötzlich von einem Jahr auf das andere keine Kinder mehr geboren werden. Diese Geschichte diente als Skriptvorlage für den Film “Children of Men” (imdb.com, Kritik bei Sebbi) mit Clive Owen in der Hauptrolle. Dazu passen auch der Artikel auf tagesschau.de: “In Deutschland leben immer weniger Menschen“, wodurch das Thema sein Brisanz bezieht.

Zur Geschichte: Im Jahre 2027 hat die Menschheit die Zeugungskraft verloren und läuft in einem letzten anarchistischen Aufbäumen dem eigenen Aussterben entgegen. Die weltweite Suche nach noch zeugungsfähigen Menschen, sowie die Forschung erlahmen. Große Teile der Insel sind von Wald bedeckt, viele Straßen von Gras überwuchert. In England, unter der Regierungsherrschaft eines Despoten, scheint die Welt noch in Ordnung zu herrschen, aufrechterhalten allerdings durch eine allgegenwärtige Geheimpolizei.
Mittendrin: Theo Faron, ein desillusionierter und in sich zurückgezogener Geschichtsprofessor. Als eines Tages eine fünfköpfige Dissidentengruppe bei ihm anklopft, beginnt für Theo eine Reise in das Ungewisse.

Man merkt am Schreibstil des Buches, dass Frau James üblicherweise andere Bücher schreibt und sie etwas älter ist. Das Buch entstand 1992, zu der Zeit war die Schriftstellerin bereits 72 Jahre alt. Schaut man sich ihre anderen Publikationen an, sind dies überwiegend Krimis mit einer soliden Story. Die Sätze und Kapitel sind getragen geschrieben, die Autorin nimmt sich viel Zeit bei der Beschreibung des Hauptcharakters. Nichtsdestotrotz oder gerade deswegen wirkt das Buch sehr stark auf mich: Immer, wenn in ein paar Randbemerkungen der Wandel der Gesellschaft beschrieben wird, die Theo gelegentlich streifen, liest man unwillkürlich schneller und ist wie gefesselt.

Es ist schwer, über das Buch zu schreiben ohne zuviel vom Inhalt zu verraten. Zu berichten ist, dass der Film in einigen wesentlichen Punkten abgewandelt wurde: So gibt es in der Usprungsgeschichte zum Beispiel keinen Rebellenuntergrund, sondern nur ein Häufchen von fünf Personen, die Zustände in England sind nicht kriegsähnlich, wie im Film gezeigt. Und obwohl diese beide beispielhaften Punkte sicherlich zur Dramaturgie der Handlung beitragen, fehlen sie im Buch eigenartigerweise nicht.

Und so empfand ich das Taschenbuch mit seinen 368 Seiten als sehr angenehm anderen Science-Fiction-Roman mit seinem ganz eigenen Reiz.

Meine Empfehlung: Buch-Empfehlung


2
Jan 07

Dreibein

Die letzte Buchkritik ist erst wenige Tage alt und schon schieße ich die nächste hinterher. Diesmal jedoch ein aus dem englischen stammendes Science-Fiction-Buch. Viele werden den Autor kennen, ist doch anderes Buch von ihm, “Die Wächter“, an vielen Schulen als Lektüre beliebt. Die Rede ist von John Christopher und seiner “Tripods”-Reihe.

Tripods – Die Ankunft der dreibeinigen Monster

Vor Jahren bereits, im Teenageralter habe ich von der “Tripods“-Reihe die Teile eins bis drei gelesen gehabt. Der Science-Fiction-Dreiteiler wurde in den sechziger Jahren vom Engländer John Christopher geschrieben und erfreute sich großer Beliebtheit. Es entstand sogar eine (eher schlechtere) Fernsehserie dazu. Als Teenager faszinierten und fesselten mich die drei Bände sehr.
Umso mehr freute ich mich, als ich vor kurzem durch Stöbern im Internet darauf stieß, dass John Christopher Ende der Achtziger Band 0 veröffentlichte, das Band, welches beschreit wie die Tripoden die Weltherrschaft übernehmen. Gespannt packte ich das Buch am zweiten Weihnachtsfeiertag aus.

Zur Geschichte: Als die ersten drei Tripoden auf der Erde landen und binnen weniger Stunden erfolgreich vernichtet werden, wiegt sich die Menschheit in Sicherheit: Ausserirdische, welche so leicht zu zerstören sind, sind keine wirkliche Bedrohnis. Einige Zeit später finden sich jedoch immer mehr Menschen, die den Tripoden wohlgesonnen gegenüberstehen. Als erneut Tripoden auf der Erde landen, lässt sich der erste Schritt nicht mehr wiederholen: Menschen stellen sich als Schutzschilde um die Tripoden. Mehr und mehr Anhänger unterstützen die dreibeinigen Monster. Ist dies das Ende der Menschheit?

Nach Lesen des Buches (ging sehr schnell, waren nur 168 Seiten) bin ich zwiegespalten: Die ersten hundert Seiten vergehen wie im Flug. Man beobachtet die Geschehnisse aus den Augen eines englischen Jungens im Teenageralter. Die kaum merklichen Veränderungen im Umfeld des Jungen wachsen sich mit der Zeit zu einem schrecklichen Gesamtbild aus. Die Sprache und Beschreibung der Dinge durch den Autor ist sehr gut, jedoch im Stil eines Jugendbuches gehalten.

Jedoch vor allem zum letzten Drittel des Buches vermisse ich eine detailliertere Beschreibung der Ereignisse, der Spannungsbogen flacht leider etwas ab. Hier hätten ein paar Seiten und Sätze mehr der Story gut getan. Allgemein habe ich den Eindruck, dass die Bände ein bis drei in ihrer Geschichtenerzählung intensiver waren. Bin mir nur nicht sicher, ob dieses subjektive Empfinden an der Tatsache hängt, dass ich die Bücher vor vielen Jahren das letzte Mal gelesen habe. Nichtsdestotrotz ist der nullte Band nicht schlecht und ich habe mich über sein Erscheinen gefreut. Die neue Auflage von 2006 wurde mit den Original-Buchcover von damals aufgelegt, sieht schick aus und ist nicht zu teuer.

Meine Empfehlung: Buch-Empfehlung


30
Dez 06

Nach Weihnachten ist vor Weihnachten

Nach einem anstrengend-schönen Weihnachtsfest und dessen Feiertagen melde ich mich kurz vor Jahresausklang gut erholt zurück.

Weihnachten wurde traditionell im Kreise der Familie mit Eltern, Schwiegereltern und meiner Schwester verbracht. Zu einem gelungenen Abend trugen die schöne Stimmung, der riesige Truthahn (ja, man kann wirklich mindestens dreimal davon essen!) und die wunderbare Bescherung einiges bei.

Einige der Geschenke und mein Urlaub zwischen Weihnachten und Silvester verhelfen mir zur der Möglichkeit, in den nächsten Tagen noch einige Kritiken verschiedenster Art zu lancieren.

Der erste Beitrag befasst sich mit einem Buch, welches jedoch schon ein paar Jahre bei uns im Schrank steht, wozu ich jedoch jetzt erst die Muße gefunden habe, es zu lesen.

Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär

Eines vorneweg: Man sollte nicht den Fehler machen, das Buch von Walter Moers und seinen Blaubär mit dem Blaubär aus der Sendung mit der Maus gleichzusetzen. Zwar gibt es inhaltlich Überschneidungen, diese sind jedoch eher marginal.

Zur Geschichte: Währen der dreinzehneinhalb Leben wird die Geburt (wobei es ja eigentlich keine Geburt ist), das Heranwachsen und der Lebensweg des Blaubärs beschrieben. Über die Zwergpiraten, ein Leben in Atlantis, Draumdichter in einem Riesenkopf ist alles Mögliche und Unmögliche dabei. Er bereist mehr oder minder freiwillig alle Gebiete des Kontinents Zamonien.

Auch wenn das Thema und die Beschreibung des Buches sehr nach einem Kinderbuch klingen, ist dem nicht so. Zwar findet sich in der Beschreibung der Welt und deren Wesen sehr viele kindliche Elemente, jedoch um den vollen Tiefgang der Story zu erfassten, ist ein jugendliches und erwachsenes Zielpublikum interessant. Der Leser sollte allerdings unbedingt viel Humor mitbringen.

Aufgelockert werden die Erzählungen durch moers-typische Zeichnungen von bestimmten Objekten oder Lebewesen. Mittlerweile gibt es das Buch in einer broschierte Auflage mit gut siebenhundert Seiten. Zwar viel Stoff, aber es liest sich leicht und locker. Einziger Wermutstropfen: Nach einiger Zeit wird es sehr fantastisch. Da ich jedoch dies mag, kein Problem. Kurze Lesepause und weiter gehts.

Meine Empfehlung: Buch-Empfehlung

P.S.: Bald (vielleicht auch erst nächste Weihnachten) folgen dann die Kritiken der anderen, bereits erschienenen Bücher.


29
Okt 06

Kein Suffbuch

Herr Lehmann

So, endlich wieder mal ein Buch gelesen. Das sag ich nicht ohne Stolz, denn in der “Nach-Pisa-Studie”-Zeit ist das ja nur noch eine Seltenheit, ein Buch zu lesen. Verrohung durch das Internet und Fernsehen, Untergang der Kultur, blabla…

Doch eigentlich zum Buch: Der Autor, Sven Regener ist gleichzeitig Sänger der Band “Element of Crime”. Mit dem Roman “Herr Lehmann” legt er sein Erstlingswerk vor, das auch bereits 2003 verfilmt wurde. In der Hauptrolle ist hier Christian Ulmen zu sehen.

Die Geschichte des Buches spielt im Jahre 1989 in Westberlin, kurz vor Mauerfall. Herr Lehmann, der von allen seit einiger Zeit nur noch mit dem Nachnamen angeredet wird und bald auf die dreißig zugeht, schlägt sich als Barkeeper durch das Leben und ist eigentlich ganz zufrieden mit seinem Dasein. Allerdings sind immer wieder Dinge im Weg, die das Leben kompliziert machen: Eltern, die zu Besuch kommen, die Liebe und anderen Schwierigkeiten, die man im Kneipenleben so begegnet.

Das Buch ist erfrischend geschrieben und begleitet den etwas eigensinnigen und netten Herr Lehmann durch sein Berliner Leben. Viele Lacher ergeben sich durch Situationskomik oder den aberwitzigen Dialogen. Philosophieren gehört genauso zum Inhalt des Buches, wie das Vorantreiben der Geschichte. Leider kann die Story nicht durchweg den Spannungsbogen aufrecht erhalten und verfehlt deshalb meine Höchtswertung. Angenehme 284 Seiten, die sich durch gute Kapitelaufteilung gut lesen lassen. Für wenig Geld beim Internethändler.

Meine Empfehlung: Buch-Empfehlung


27
Apr 06

Geheime Botschaften

Nachdem ich bereits im August letzten Jahres über die Abzocke bei gebundenen Büchern berichtet habe, war es nun endlich soweit, dass es eines der wohl erfolgreichsten Bücher der letzten Jahre endlich also broschierte Ausgabe auf dem Markt gibt: Das Sakrileg. Natürlich auch pünktlich zum Filmstart von dem “Da Vinci Code”. Geschickt eingefädelt, oder? Aber genug geredet, jetzt zum Buch.

Das Sakrileg, obwohl der Nachfolger des Buches “Die Illuminati” (Kritik dazu hier), liegt zur Zeit auf Verkaufsrang eins. Wahrscheinlich gibt es deshalb schon tausend Rezensionen zu diesem Buch. Nun eben die 1001ste.

Dan Brown hat es natürlich schwer, seinen ersten Teil zu überbieten. Zwar ist wieder der etwas linkische, sehr sympathische Dr. Robert Langdon mit von der Partie, aber ansonsten greift er keine weiteren Personen vom ersten Teil auf oder erwartet Vorkentnisse vom Leser. Nur ein oder zweimal wird kurz auf das andere Buch verwiesen.

Geschichtsmäßig versuche ich ein bisschen zu beschreiben, ohne zuviel zu verraten. Inhaltich ist die Story wieder ziemlich fantastisch geraten, mit vielen Verweisen auf pseudo-mythische Geheimgesellschaften, Geschehnisse und Kunstwerke mit doppeldeutigen Botschaften. Dabei kommt das Buch im ersten Drittel ziemlich in Fahrt, verliert diese Qualität zusehends zur Mitte des Buches. Sowohl die Handlungen als auch die Geschichte bekommen eine deutliche Delle und verlieren an Dynamik. Zum Glück schafft es jedoch Dan Brown zum Ende hin wieder einigermaßen, den fallengelassenen Spannungsbogen wiederaufzunehmen.

Betrachtet man das Buch als alleinstehendes Projekt, wäre eine etwas bessere Bewertung als ein “durchschnittlich” durchaus gerechtfertigt. Doch dies ist unrealistisch, den Vergleich mit dem ersten Teil muss sich “Das Sakrileg” stellen.

Bleibt noch die Frage: Woher kommt der durchschlagende Erfolg des Buches. Nun, die allzu fantastische Story, die viel Platz für Spekulationen über die Kirche, bekannte Kunstwerke und Geheimbünde bietete trägt einen großen Teil bei. Das sieht man auch sehr gut an den vielen Büchern, die als “Sachbücher” im Kiel von dem Buch Dan Brown´s schwimmen und die Hintergründe erklären. Meiner Meinung wird das Buch und der Autor überwertetet. Er schreibt gute Bücher, verdient jedoch nicht diese Aufmerksamkeit, die er zur Zeit bekommt.

Meine Empfehlung: Meine Empfehlung


5
Apr 06

Zukunftsvisionen

So, endlich habe ich es geschafft, die aktuelle Galore zu Ende zu lesen. Bereits vor einigen Tagen habe ich die aktuelle Ausgabe erwähnt gehabt, da das wohl letzte Interview vor dem Tode Stanislav Lem Inhalt war.

Anfangs war ich von der Ausgabe 17 etwas enttäuscht. Zwar waren mit Keira Knightley (Jung-Schauspielerin), Rosenstolz (Musikgruppe), Bret Hart (ehemaliger Wrestling-Star) und einigen mehr interessante Leute interviewt, doch wurde diese ziemlich kurz gehalten. Doch dann stieß ich auf den Spezialteil “ZukunftsWelten” in der Heftmitte. Hier waren die ausgewählten Interviewpartner durchweg interessant und ausnahmslos alle Gespräche inhaltlich gut. Doch der Reihe nach:

Die Serie eröffnet der bereits vorher erwähnte Stanislav Lem. Im Gespräch philosophiert er über seine frühen Zukunfts-Utopien, deren teilweise Realisierung im Laufe der Jahrzehnte und der damit einhergehende Fluch der Technik. Er erklärt seine Wandlung vom Technikvisionär zum Technikkritiker und nimmt Stellung zu aktuellen Zeitströmungen.

Als zweite Person wird der deutsche Austronaut Thomas Reiter interviewt. Ihn werden Fragen zu seinem Werdegang und dem Leben am Bord einer Raumstation gestellt. Hier erfährt man kleine, kuriose Details aus dem Alltag im Weltraum. Er geht auf seine Sicht der “irdischen” Dinge vom Weltraum aus, ein. Thomas Reiter erscheint während des ganzen Interviews als sehr netter Gegenüber.
Dem Interview des Astronauten wird dem von Sigmar Wittig gegenübergestellt, seines Zeichens Vorstandsvorsitzender des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt. Er begründet in einem kurzen Gespräch auf die Notwendigkeit von bemannten Raumflügen.

Als nächster Gesprächspartner stand Joshua Davis im Fokus. Er ist als Webdesigner in Verbindung mit abstraktem Impressionismus bekannt geworden. Im Gespräch versucht er zu erklären, wie seine Impressionen am Computer entstehen, welche Verbindungen er zur Computerkunst sieht und warum sie so kurzlebig ist.

Mit Peter Molyneux wird einer der bekanntesten Entwickler für Computerspiele in die “Mangel” genommen. Er berichtet über die Enstehung von seinen bisherigen bekanntesten Spielen Populus und Black & White und der Position des Spielers in diese Spielen: Der eines Gottes. Interessant sind seine Schlussfolgerungen, warum seine Spiele aus dieser Perspektive so erfolgreich waren und warum Personen aus bestimmten Erdteilen eher nicht den “bösen” Gott spielen.
Dem Interview ist wieder ein “Ein-Seiten”-Interview dazwischengeschoben, hier wird ein Mitarbeiter von EA Games interviewt, Dirk Vojtilo, ein professioneller Spiele-Tester. Er räumt mit dem weitverbreiteten Mythos auf, Spiele-Tester sei der Traumberuf und täten den ganzen Tag nichts anderes als sich mit Computerspielen zu amüsieren. Außerdem berichtet er von den Schwierigkeiten, Spiele sprachlich zu lokalisieren.

Mit André Fischer von Product Visionaires wird ein Mann vom visuellen Fach interviewt. Er plaudert über Megatrends für Design im technischen Bereich, den iPod und anderen Gimmicks. Er erklärt, welche Personengruppen viel Geld für gut aussehende Luxusarktikel ausgeben.

Karlheinz Brandenburg liegt von seiner Bekanntheit her meilenweit hinter seiner Erfindung zurück: Dem mp3-Format. Er philosophiert über die Bedeutung des mp3-Formats für die Musikindustrie, dem weitverbreiteten Erfolg und der Entwicklung bis zum heutigen Tag.
Als Zwischeninterview ist ein Gespräch mit Dr. Reinhold Bauer von der Bundeswehr-Universität Hamburg eingeschoben. Er beschäftigt sich mit dem Thema “gescheiterte Innovationen” und erläutert in diesem Zusammenhang einiges zu dem oft fehlinterpretierten Begriff “Innovation”.

Intel-Hausanthropologin Genevieve Bell erzählt, warum ein Chip-Gigant eine Anthropologin beschäftigt und warum sie in Ihrem Job meist auf Erdteilen unterwegs ist, auf denen der herkömmliche europäische Computer nicht gerade nützlich ist.

Jason Deamer ist Figuren-Programmierer bei Pixar. Er war unter anderem als Charakter-Designer für “Monster AG” und “Findet Nemo” zuständig. Er berichtet, wie er in den Job bei Pixar “hineingestolpert” ist, welche Herausforderungen

Mit Rena Tangens, der Gründerin der Haecksen, einem weiblichen Hackerclub und Mitglied des Chaos Computer Clubs. Sie erklärt Unterschiede zwischen Datenschutz und Datenmissbrauch, zeigt Kritik an RFID und beschreibt, wie das Verhalten eines medienkritischen, mündigen Menschen aussehen sollte.
Demgegenüber preist Zygmunt Mierdorf, Vorstandsvorsitzender vom Metro-Konzern die neue Technik an und versucht die Vorteile von RFID für den Anwender/Kunden zu erläutern.

Mit Marissa Mayer wird ein, bezüglich Alter, Leichtgewicht interviewt. Bezüglich ihrer derzeitigen Position hat die Google-Chef-Visionärin und dritte Person hinter den beiden Google-Gründern einiges zu sagen. Sie erzählt von Google-Bombing, versucht die datenschutzrechtlichen Bedenken der Leute gegenüber Google auszuräumen und plaudert ein bisschen aus dem Nähkästchen bezüglich der Entwicklung von Google.

Für das Streitgespräch zwischen Norbert Bolz (Medienphilosoph) und Joseph Weizenbaum (Forschritts-Mahner) empfehle ich dringend einen ruhigen Raum und ein möglichst unterbrechungsfreies Lesen. Denn von Inhalt her sehr philosophisch und mit vielen geistigen Gedanksprüngen, bietet es doch zwei sehr geistreiche Betrachtungswinkel auf unsere heutige Medienlandschaft.

Natürlich darf bei einem solchen Oberthema auch Wikipedia-Gründer Jimmy Wales nicht fehlen. Er nimmt sich dem Thema an, wie ein Projekt wie Wikipedia die Wissenslandschaft der heutigen Zeit beeinflussen kann. Auch die Problematik der “Wahrheit” im Internet wird ausführlich diskutiert.

Den Abschluss bildet Commodore-Guru Dave Haynie mit einem kurzen, aber knackigen Interview über die damalige Entwicklung des “grauen Kastens” und einem Erklärungsversuch, warum der Commodere bis heute so legendär ist.