Gestern habe ich eine der Generalproben des Musicals “Oliver” vom WEG Schwabach begleitet. Heute ist Premiere, von gestern hier ein paar Bilder. Da ich mich auf die Schnelle nicht für eine Handvoll Highlights entscheiden konnte, ausnahmsweise eine Diashow mit ein paar mehr Bildern.
Theater
25
Okt 08
Abriss
Die Nürnberger Innenstadt ist um eine Großbaustelle reicher:
Am Nürnberger Schauspielhauses am Richard-Wagner-Platz werden zur Zeit umfangreiche Umbau- und Modernisierungsmaßnahmen durchgeführt.
Während der Zeit der Sanierung sind die Vorstellungen zur Zeit in der Tafelhalle (in der Nordstadt) sowie in der Kongresshalle (am Dutzendteich).
Die Wiedereröffnung des Schauspielhauses nach seiner Generalsanierung wird voraussichtlich im Frühjahr 2010 stattfinden.
30
Jul 07
Der zweite Ring
Man muss nicht nach Bayreuth auf die Festspiele fahren, um Wagner zu sehen und zu hören. Um noch genauer zu sein, man muss nicht nach Bayreuth fahren, um den Ring zu sehen. Nein, natürlich nicht den “einen Ring, sie alle zu knechten”. Die Rede hier ist vom “Ring des Nibelungen“, einer Oper über vier Abende. In Summe gesehen sind die vier voneinander unabhängigen Oper, die aber thematisch zusammenhängen, wohl die zeitlich längsten Werke von ihm. Nicht nur in der Spielzeit, sondern auch in der damaligen Fertigstellung hat Richard Wagner Jahre gebraucht, um diesen Zyklus zu vollenden.
Und wenn man schon mal die Möglichkeit hat, alle vier Opern in Nürnberg zu sehen, sollte man das ausnutzen. Und natürlich haben wir das gemacht. Schon allein deshalb, weil wir viel einfacher Karten erhalten haben, als für Bayreuth
.
Am gestrigen Sonntag war nun der letzte Abend und auch wenn es mir sehr gefallen hat, muss ich sagen, dass ich froh bin. Denn jede einzelne Oper ist mit zwei eingerechneten Pausen etwa fünfeinhalb Stunden lang. Ich muss dazu sagen: ich bin kein ausgemachter Klassikfan. Und doch herrscht in mir eine gewisse Neugierde, Aufführungen in Theater oder Oper zu besuchen, die zu den Klassikern gehören, solange es in der Nähe aufgeführt wird. Ich würde nicht ewig weit fahren, um ein bestimmtes Stück zu sehen.
Doch zurück zu Wagner: Die musikalische Qualität der Nürnberger Staatsoper kann ich leider nicht beurteilen, als Laien hat es mir jedoch sehr gut gefallen. Die wohl bekannteste Passage ist der Walkürenritt, der auch in diversen Filmen zu hören ist (Link zur WMA-Audiodatei). Doch selbst als völlig unbedarfter Zuhörer habe ich nach dem ersten Abend bereits erste wiederkehrende Motive in den drei weiteren Opern wiedererkannt.
Bühnenbildtechnisch ist die Geschichte ebenfalls gut ausgestaltet. Von sehr minimalistischen Aufbauten bis sehr schmuckvollen Kulissen reicht die Darstellung. Der Gesang der Schauspieler hat mir eher weniger gegeben, spielte aber in vielen Szenen sehr gut mit der Musik des Orchesters zusammen. Alles in allem eine sehr lohnenswerte Erfahrung. Jedoch brauche ich nun bis zur nächsten Oper eine größere Pause. Als nächster Programmpunkt sehen wir uns eventuell “Dantons Tod” im Nürnberger Schauspielhaus an.
30
Mai 07
Räuberwelten
Am Freitag stand Theater auf dem Programm. Im Nürnberger Schauspielhaus, pardon, Staatstheater. Als Stück hatten wir uns das angebliche Skandalstück “Die Räuber” von Friedrich Schiller ausgesucht. Die Geschichte kurz erzählt:
Franz Moor, jüngerer und von der Natur benachteiligter Sohn des Grafen Moor, spinnt eine ebenso kühl kalkulierte wie perfide Intrige: Durch einen gefälschten Brief macht er den Vater glauben, sein geliebter Erstgeborener, Karl, der in Wirklichkeit des Vaters Vergebung sucht, stürze fern vom Elternhaus die Familie in Schande. Der alte Moor lässt sich von dem Intriganten täuschen und überlässt Franz die briefliche Antwort an Karl. Der Zweitgeborene verfasst eine pardonlose Verfluchung. Wie der Vater, fällt auch Karl sofort auf die Täuschungen der Kanaille Franz herein und erklärt sich in einer Geste der Verzweiflung und des Trotzes zum Hauptmann einer Bande Räuber und Mörder in den böhmischen Wäldern.
Franz’ üble Nachrede wird so zur fatalen Wahrheit. Karl, der pathetische Rebell, zunächst Verfechter einer gerechteren Ordnung, wird zum schuldbeladenen Mörder. Unterdessen arbeitet Franz im heimatlichen Schloss weiter an seinem Aufstieg zur Macht. Der Vater geht plangemäß an der Trauer über den verlorenen Sohn zugrunde, nur Karls Braut Amalia hält diesem unverbrüchlich die Treue und Franz’ Zudringlichkeiten stand. Doch die Tragödie, geboren aus skrupellosem Existentialismus, mangelndem Vertrauen und fehlgeleitetem Idealismus, ist nicht mehr aufzuhalten …
Irgendwie tu ich mich Theaterkritiken schwer. Schwerer jedenfalls als Kino- oder andere Kritiken, die ich den lieben langen Tag hier so schreibe. Vielleicht liegt das an meinen geringen Kenntnissen deutscher Literatur. Mir fehlt eben doch die drei Jahre Grundkurs Deustsch. Die Frage stellt sich, ob man dadurch schlechter lebt. Meine Meinung: Nein, aber es entgeht einem doch etwas. Daraus ist natürlich keine Lese- oder Besuchspflicht der hohen deutschen Literatur abzuleiten. Wer kann schon aus dem Stand “Die Glocke” auswendig, weiß um was es in “Die Physiker” geht und kann erklären, warum Danton hingerichtet wird…
Die Nürnberger Inszenierung kam ins Gespräch und auch etwas in die Kritik: So ist eine Folterszene der von Abu Ghraib nachempfunden. Die Räuber haben etliche in der Vorlage nicht existente Szenen hinzubekommen. Der Regisseur versucht, die zu Schillers Zeiten skandalöse Züge, Räuber auftreten zu lassen, auf die Gegenwart zu übertragen. Zwar ist dies keine schlechte Idee und führt auch zu einen Lachern und Unterhaltung beim Publikum, verfehlt jedoch teilweise das Ziel. Außerdem streckt es das Stück in die Länge.
Darstellertechnisch gibt es nur wenige Punkte zu bemängeln. Die Geliebte Karls, Amalia, wirkt etwas blass. Leider ist dies mir schon häufiger aufgefallen, dass der weibliche Part nicht immer zu überzeugen weiß. Ob dies an dem Ensemble der Nürnberger oder der Stücke liegt, die ich bisher gesehen habe, konnte ich für mich nicht ganz klären.
Franz Moor wird überragend dargestellt von Andreas Uhse dargestellt. Seine Hinterlist, Boshaftigkeit und Verbitterung verkörpert er mit Haut und Haar. Ganz im Gegensatz zu Karl Moor, hier ist nicht verständlich, warum sich die Räuber für die Figur des Hauptmanns opfern. Er wirkt zu unentschlossen, zu wankelmütig. Hier hätte ein deutlich stärkere Ausprägung der Charakterdarstellung gutgetan. Rein körperlich und vom Erscheinungsbild war die Besetzung in Ordnung.
Wie bei allen modern inszenierten Theaterstücken gilt, sich vor der Aufführung etwas über die Geschichte und die Handlungsstränge zu informieren. Hat man dies getan, sind die “Nürnberger Räuber” durchaus sehenswert.
Meine Empfehlung: 
30
Okt 05
Kabale und Koks
Am Freitag waren wir wieder mal im Erlanger Theater. Auf dem Programm stand ein Stück von Friedrich Schiller, “Kabale und LIebe“. Etwas schade ist, dass im Schiller-Jahr (er ist vor zweihundert Jahren am 9. Mai 1805 gestorben) erst so spät und auch nur ein Stück von ihm aufgeführt wird. Auch das Theater Schauspielhaus Staatstheater Nürnberg führt erst im Dezember “Die Räuber” auf. Ein Armutszeugniss, dafür dass Schiller einer der bedeutesten Autoren Deutschlands ist.räu
Bezüglich der Geschichte schreibt das Theater Erlangen folgende kurze Zusammenfassung:
“Der Inhalt des Stücks ist kurz dieser: ein Präsident will seinen Sohn an die Mät-resse des Fürsten verkuppeln, um dadurch seinen Einfluß bey Hofe zu erhalten, das ist die Kabale. Der Sohn des Präsidenten hat sich in eine Geigertochter vergafft, das ist die Liebe. Zuletzt vergiftet er sich zugleich mit dieser Geigerstochter, das ist dann die vollständige Tragödie.”
Zu dem Titel “Kabale und Liebe” muss man wissen, was das Wort “Kabale” bedeutet. Kabale ist ein altertümliches Wor für Intrige.
Wie auf dem Bild zu sehen, dreht sich der Mittelpunkt um das Liebespaar Ferdinand und Luise. Doch bereits an dern drei Farbgebungen der Personen lassen sich Unterschiede feststellen. So gehören Luise und ihre Eltern dem einfachen Bürgertum an, Sophie und Wurm dienen dem Adel, die übrigen sind blauen Blutes. Neben der unglücklichen Liebe wird als Hauptmotiv die Kritik an den unterschiedlichen Gesellschaftsschichten in dem Stück dargestellt.
Mit gemischten Vorstellungen gingen wir in die Vorführung. Die Kritik der Nürnberger Nachrichten war sehr schlecht ausgefallen. Und das Theater Erlangen ist für seine sehr modernen Inszenierungen bekannt. Leider waren unsere Sorgen berechtigt.
Die Regisseurin Nora Somaini verlagert das Stück in moderne Gesellschaftsschichten. Das Bürgertum mit Luise und dem Miller findet sich in einem Milieu wieder, dass am besten als asozial bezeichnet werden kann. Discounter-Tüten, Bier aus Plastikflaschen und billige Trainigsanzüge. Die Rolle der Millerin fällt komplett aus.
Der Adel wird sehr offensiv als dekadent dargestellt: Der Präsident spielt Polo, der Hofmarschall ist ein eitler Modepfau und Lady Milford eine koksschnupfende Hure, Ferdinand ein widerspenstiger Anarcho-Jüngling.
Das Bühnenbild nimmt die Teilung der beiden Personenschichten auf: Auf der einen Seite der hintere Bühnenteil, einige Stufen erhöht, weiß und rein. Auf der anderen Seite der vordere Bühnenteil, erreichbar über einen Steg, der durch ein Schlammbecken führt, um in die Unterkunft des Millers zu kommen.
Und hier beginnt auch schon die sehr freie (meiner Meinung nach zu freie) Interpretation: Das Schlammbecken wird bei Auseinandersetzung zum Schlammwrestling verwendet. Muss das sein? Auch die Übertragung der Figuren auf die unterste Gesellscahftssicht, das rumgekokse der Lady Milford, all das braucht es nicht, um eine gute Inszenierung zu gestalten. Der Hofmarschall von Kalb wird von einer Frau dargestellt. Dies ist grundsätzlich in Ordnung. Warum diese im letzten Drittel ihren Busen entblößen muss und ihre Brust als Sinnbild des schändlichen Vetrages zum Auseinanderbringen der beiden Liebenden benutzt wird, bleibt komplett im Dunklen. Dass die beiden Hauptdarsteller vor ihrem Tod noch einmal Sex haben, gehört anscheinend mittlerweil auch zum Usus heutiger Inszenierungen. Schiller dreht sich im Grabu um.
Die Darstellung und Besetzung der einzelnen Rollen ist sehr unterschiedlich geraten: Luise tritt etwas zu selbstsicher auf, Wurm spielt großartig den fiesen Intriganten, der Präsident und auch sein Sohn überzeugen und der Miller ist zu eindimensional gehalten. Was das Stück rettet, sind die Texte Schillers. Diese sind nicht geändert worden. Wenigstens eines, was nicht modern interpretiert wurde.
27
Jun 05
Die Bretter, die die Welt bedeuten
Eigentlich wollten meine Frau und ich am Samstag einen schönen Abend im Theater verbringen. Karten hatten wir über das Internet bestellt, das Staatstheater Nürnberg ist klimatisiert und wir hatten gute Plätze reserviert.
Leider machte uns das gezeigte Stück einen Strich durch die Rechnung. Aufgeführt wurde “Alte Meister” vom österreichischer Schriftsteller Thomas Bernhard. Dieser schreibt eine Geschichte von zwei alten Herren, die sich tagein und tagaus im Kunsthistorischen Museum Wien im Bordone-Saal. Dort starrt der eine das Bildnis des „Weißbärtigen Mannes“ von Tintoretto an, der andere hält Aufsicht über den wenig besuchten Saal.
Laut der Beschreibung des Staatstheaters sollte das Stück ein “…sprachgewaltiger Monolog..” sein “…der von grotesker Komik und virtuosem Sprachwitz ebenso wie von Bitterkeit und Hass geprägt ist.” Leider ist von der Komik und dem Sprachwitz fast nichts zu erkennen. Die nicht vorhandene Handlung schleppt sich dahin, der Zuschauer wartet, darauf, dass etwas passiert und muss sich in dieser Zeit das Geschimpfe über Bildung, Kunst, Lehrern und allen möglichen anderen Themen anhören. Die sich einschleichende Langeweile wird durch das vom Staatstheater gewohnte minimalistische Bühnenbild verstärkt.
Der Regisseur versucht die langen Monologe interessanter wirken zu lassen, indem er die zwei Protagonisten von vier verschiedenen Schauspielern spielen lässt. Somit verquicken sich jedoch die Inhalte der Monologe immer mehr, eine klare Linie ist nicht zu erkennen.
Meine Frau hat dann die Vorstellung nach gut 30 Minuten verlassen, ich bin ihr dann in der Pause gefolgt. Denn wenn es ein Stück nicht schafft, mich bis zur Pause zu fesseln oder zu interessieren, kann es nach der Pause nicht viel besser werden. Was wir nun inständig hoffen ist, dass das nächste Stück auf unserem persönlichen Terminkalender, “Shakespeares sämtliche Werke – leicht gekürzt”, besser ist.
3
Nov 03
Alles Theater!
So, heute endlich zur Kritik des Stückes “Amphitryon” des Erlanger Theaters. Zuerst mal die Beschreibung des Stoffes, nachzulesen auch auf der Homepage des Theaters Erlangen (übrigens seit dieser Spielzeit mit neuem Design):
Alkmene erwartet die Rückkehr ihres Gatten Amphitryon aus dem Krieg, in dem der die Athener besiegt hat. Doch statt dessen kommt Jupiter, der Göttervater, in der Gestalt des Amphitryon und verbringt mit Alkmene die längste aller Liebesnächte. Als am nächsten Morgen der echte Amphitryon nach Theben zurückkehrt und Alkmene ihm von der vermeintlich gemeinsam durchlebten Nacht erzählt, fühlt dieser sich von seiner Frau betrogen. Die Verwicklung und das Gefühlschaos Alkmenes erreichen ihren Höhepunkt, als sie erneut von Jupiter in der Gestalt ihres Gatten aufgesucht wird und dieser ihr erklärt: “Es war kein Sterblicher, der dir erschienen ist, Zeus selbst, der Donnergott, hat dich besucht.”
Tja, eigentlich lässt diese Geschichte eine mehr oder minder komische Inszenierung erwarten. Doch alles von Anfang an.
Die Schauspieler agieren auf dem Platz vor dem Hause des Amphitryon. Schon bereits hier ist die Perspektive verschoben, die Schauspieler haben außerdem keine Möglichkeiten zu sitzen, entweder sie stehen oder liegen auf dem schiefen Boden.
Die Leistung der einzelnen Protagonisten ist durchwachsen. So trifft der Diener Amphiytrons genau die richtige Tonlage, balanciert zwischen Verzweifeln, Humor und Ironie. Bei ihm kommt am besten die zerrütende Fragestellung rüber “bin Ich noch wirklich Ich?”.
Amphiytron hingegen wirkt in der Ausgestaltung der Rolle etwas steif, er schafft es nicth gänzlich zu überzeugen. Besser ist hier schon Alkeme, sie spielt die reine Ehefrau, die in ihrem Gefühlschaos nicht mehr weiss, wer ihr richtige Ehemann ist.
Die Figur Jupiters ist nicht gerade sympathisch angelegt. Deshalb hat sie mir nach dem Abend eigentlich am wenigsten gefallen. Jetzt aber nach einpaar Tagen, muss ich sagen, daß die Geringschätzung für die Sterblichen und der Blich auf ihren Daseinkonflikt sehr gut realisiert werden.
So bleibt mir nach dem Stück zu sagen, daß die Inszenierung sehr gut war und die Schauspieler gute Leistungen gebracht haben. Ich persönlich werde jedoch das Stück von Kleist nicht zu meinen Lieblingsinszenierungen zählen.








