Heute möchte ich mich mit einem Thema beschäftigen, welches essentiell und wirklich zentral für jeden Fotografen ist. Die Kreativität. Erstmal eine kurze Definition, was dies für mich bedeutet. Kreativ bin ich, wenn ich aus eigenem Antrieb heraus eigene Bildideen und Projekte entwickle und dies regelmäßig und stetig.
Und hier liegt auch schon das Problem: ständig und stetig kreativ zu sein ist schwierig. Aber nicht unmöglich. Und es betrifft jeden Fotografen. Selbst die Fotografen, welche “lediglich” Kundenvorstellungen erfüllen und umsetzen, werden früher oder später um eigene Ideen gefragt, beziehungsweise es wird verlangt. Und hier liegt auch der eigentliche Preis eines Fotografen: neben dem Handwerk, das er beherrschen muss und seiner Erfahrung, wird die Kreativität und deren Umsetzung bezahlt.
Nachdem ich die ersten Jahre eher mit dem Basis Handwerk und meiner technischen Ausstattung gerungen habe, ist in letzter Zeit immer stärker die Kreativität in den Vordergrund getreten. Denn stetige kreative Bildumsetzungen schlägt sich in erhöhter Aufmerksamkeit potentieller Kunden nieder, Zufriedenheit der Auftraggeber und schlussendlich der Zufriedenheit mit der eigenen Arbeit.
Zur Erforschung des kreativen Prozesses und dessen Anregung, Lenkung und Steuerung gibt es mannigfach Literatur. Ich möchte hier meine Methodik vorstellen, wie ich kreativ bleibe. Die halbe Miete ist meines Erachtens eine gute Organisation der eigenen Ideen. Klingt seltsam, klappt aber.
1. Für alle folgende Punkte gilt: immer etwas zu schreiben/notieren bereit haben. Dies kann das Smartphone sein, ein Notizbuch, eine Schreibtischunterlage, Haftnotizen und vieles mehr. Ziel ist es, sobald mir etwas einfällt, dies aufzuschreiben. Und zwar sofort. Denn Kreativität ist (jedenfalls bei mir) flüchtig. Nachdem ich auch noch etwas vergesslich bin, habe ich nicht das eine Medium, welches ich für meine Notizen verwende: ich trage in sämtlichen Taschen ein kleines Notizbuch mit Stift mit mir herum, ich habe meinen ipod Touch für kurze Notizen, mein Handy und im Zimmer ein große beschreibbare, magnetische Tafel.
2. Ich nehme mir bewusst ein oder mehrmals in der Woche die Zeit, Bilder zu studieren, Videos zu schauen, Webseiten zu besuchen, Bücher zu lesen. Und dies nicht nebenher erledigen, sondern ausschließlich. Dazu reichen bereits zwei Stunden in der Woche, diese aber dann fest. Nicht: “…ach, heute muss ich noch schnell das erledigen…” oder ähnliches. Aber sich auch eingestehen, wenn man das Gefühl an dem Tag hat, nichts kreatives vollbringen zu können, dies auf den nächsten Tag zu schieben. Nur nicht komplett wegschieben. Falls mir während dieser Zeit eine gute Idee, eine Requisite, eine Location auffällt: Stopp und notieren. Dann weiter. Sehe ich interessante Bilder, speichere ich diese ungeordnet in einen “Ideenordner” direkt auf oberste Ebene auf meinem Computer für einen leichten Zugang. Sehenswerte Videos speichere ich ebenfalls.
3. In regelmäßigen Abständen führe ich alle meine Notizen in eine Quelle zusammen. Seit einigen Wochen ist das nun ein Mindmap. Mein Werkzeug der Wahl ist eine Mindmap-Programm, eine Freeware für den Mac namens Freemind. Dies kann auch jedes andere Programm oder auch eine andere Lösung sein.
Was mir jedoch positiv zuspielt: die leichte Einteilung von verschiedenen Ober- und Unterknoten, deren Verschiebung, Zusammenfassung und Neuordnung. Auch das schnelle Auf- und Zuklappen einzelner oder aller Knoten erleichtert den Überblick immens und lässt mich schnell von einem Oberpunkt zu einem gewissen Zweig schnell ins Detail navigieren. Ich gliedere derzeit wie folgt mein Mindmap. Wohlgemerkt, dieses ist erst etwa acht Wochen alt.

Auf diesem Wege kommen immer mehr Bruchstücke von Fotoshootings zusammen. Diese gruppiere ich grob nach Themen, etwa alle zwei Wochen. Wichtig: in meinem Mindmap verwalte ich nicht die tägliche oder wöchentliche ToDo-Liste, lediglich wenn ein Shooting kurz bevor steht, landen einzelne Aufgaben aus dem Mindmap in der täglichen Aufgabenliste.
Die Mindmap öffne ich etwa ein- bis zweimal in der Woche. Manchmal klappe ich nur die Knoten wieder auf und zu. Oft fliegen dabei auch ein oder mehrere Punkte heraus, neue kommen während der Betrachtung hinzu. Somit kristallisieren sich schnell Projekte heraus. Diese werden dann ebenfalls in das Mindmap aufgenommen. Die genau Ausarbeitung dazu erfolgt jedoch in einem anderen Medium, hierfür folgt demächst noch ein weiterer Post, der das Thema “Fotoshooting – Vorbereitung – Durchührung – Nachbereitung” behandelt.
4. Der letzte Punkt: immer eine Kamera dabei haben! Und ich meine nicht den kompletten Rucksack mit allen Objektiven und der schweren Kamera. Es reicht ein Kamerahandy, eine kleine Kompaktknipse oder ähnliches. Denn die Devise lautet: sehe ich etwas oder jemand interessante wenn ich gerade auf dem Weg zum Kunden bin oder eben Erledigungen mache: abdrücken. Dabei geht es nicht um das technisch perfekte Bild. Es kann verrauscht, falsch belichtet und was weiß ich noch was sein. Aber es erinnert mich an die echt coole Location, die ich da gesehen habe.
Ich hoffe, der Artikel war lesenswert und ein oder mehrere Punkte helfen Euch weiter. Ich freue mich auf Eure Rückmeldung.









