Wie viele von Euch ja wissen, bin ich Mitglied im örtlichen Fotoclub in Schwabach. Dieser begeht im Jahr 2011 sein 20-jähriges Bestehen. Ich wurde gebeten für dieses Jubiläum das Gruppenbild zu erstellen.
Im ersten Anlauf traf ich nicht jedermanns Geschmack und war auch persönlich nicht ganz zufrieden. Vom Konzept her dachte ich an ein Gruppenbild, in dem sich jeder selbst mit einem ferngezündeten Kompaktblitz ausleuchtet. Dieses Konzept ging nicht ganz auf: viele wussten nicht, wie sie diese Funktion an ihrem Blitz anschalten, ich hatte zu wenige optische und Funkauslöser als Alternative dabei und die manuelle Herunterregelung und Abstimmung der Blitze auf das Umgebungslicht klappte nicht gut. Zudem war es Februar, der Tag war eisig kalt und wir waren zu etwa 25 Personen draußen – keine guten Voraussetzungen. Zwar wurde das Minimalziel, ein ordentliches Foto, alle drauf, alle Augen offen, erreicht. Aber das Bild entfaltete keine Wirkung.

Animation Camera Tossing (danke an Gregor für die Bilder)
Ganz anders der zweite Termin: zwar konnte leider nicht ganz so viele Personen wie beim ersten Mal, aber das Konzept ging wunderbar auf: ich warf meine Kamera in die Luft, alle standen im Kreis um mich herum und die Kamera machte mit einem Weitwinkelobjektiv ausgestattet, ein Bild von oben. Diese Technik ist als sogenanntes “Camera Tossing” bekannt und wird häufig in Verbindung mit langen Belichtungen verwendet, um sphärische Bögen und Schlieren aufzunehmen, oft nachts oder in der Dämmerung, um Überbelichtungen zu vermeiden. Nachdem ich so etwas auch das erste Mal machte und ich gute 2500 Euro meterweit durch die Gegend war, ging ich die ganze Vorbereitung langsam an: Ich begann ein paar Tage vorher auf meinem Bett zu üben und warf die Kamera lediglich zwei Meter hoch. Ich nahm alles von der Kamera ab, was ich nicht brauchte: Gurt, Befestigungen, Hochformatgriff. Das funktionierte ganz gut. Der nächste Schritt war, ins Freie zu wechseln und die Höhe zu erhöhen. Viele Polster auf den Boden, los. Schnell stellte ich zwei Dinge fest: beim Auffangen traf die Kamera häufig die Finger sehr unangenehm, deshalb besorgte ich mir dünne Leder-Arbeitshandschuhe. Und zweitens: mit so viel Adrenalin im Blut verzichtete ich bald auf die Polsterung.
Die Kameraeinstellungen änderte ich auch einige Male. Fazit hier: es reicht, die Kamera mit Auslösevorlauf von drei Sekunden drei Bilder im kürzest möglichen Abstand hintereinander machen zu lassen. Dabei auf M alles korrekt belichtet einstellen (vorher einfach auf den Boden fotografieren und kontrollieren), den Autofokus auf die meisten Messfelder stellen und nicht die kleinste Blende wählen. Belichtungszeit wählte ich sehr kurz, etwa 1/4000, um keine Bewegungsunschärfe zu haben. Nach jedem Wurf die Kameraeinstellungen überprüfen ist sehr wichtig, verstellt sich doch häufig etwas beim Fangen unabsichtlich.
Und so sehen die Ergebnisse aus:
Nach dem Fotoshooting, in Ruhe daheim, stellte ich noch ein paar weitere Punkte zu verbessern fest:
- Falls das Weitwinkelobjektiv ein Zoom-Objektiv ist, weiteste Einstellung wählen und den Zoom-Ring festkleben
- Und wenn wir schon beim Festkleben sind: das gleich kann mit dem Programmrädern und der Speicherkartenklappe gemacht werden, sonst gehen diese ständig auf, bzw. verstellen sich.
- Wenn möglich einen möglichst großen Weitwinkel wählen. Ich hatte mit meiner 1.5-Crop-Kamera und einem 14mm Objektiv oft Schwierigkeiten, die Gruppe ganz drauf zu bekommen. Eine Vollformatkamera und evtl. ein 8mm Fisheye-Objektiv senken die Anzahl der Fehlversuche sicher deutlich.
Und bei den Fehlversuchen kommen manchmal noch ein paar brauchbare Bilder heraus.


















